«Klangfenster» wieder geschlossen: Singt und spielt mit Blues und Bach!

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Klangfenster 2013
Vier Konzerte nacheinander unter dem Motto «Organo pleno – die Vielfalt der Orgel». Ein «Klangfenster in der Zeit» mit Erweitertem Kirchenchor und Orgel und das Geburtstagsfest der Gümliger Wälti-Orgel. Trotz Sonne und Wärme am Freitag und heftigsten Gewittern am Samstag war die Gümliger Kirche jeweils gut besucht.
Zum Auftakt musizierten am Freitag das Berner Vokalensemble Belcanto unter Leitung von Jörg Ulrich Busch mit dem Gümliger Organisten Jacques Pasquier. «Ubi caritas et amor» von Maurice Duruflé entrückte die Zuhörenden in den Himmel. Die ausgewogenen Gesangsstimmen erfüllten die Kirche und Jacques Pasquier gelang es, die Orgel so registrieren, dass ein gemeinsames Klangbild entstand. Gerne hätten viele diesem Klang noch länger gelauscht. Ein Tribut an das Konzept der Orgelnacht mit vier (kurzen) Konzerten, die von einem Apéro unterbrochen werden.
Erica Zimmermann liess den «Pink Panther» (Henry Mancini, arrangiert von Arthur Frackenpohl) durch die Kirche schleichen und nahm zahlreiche Themen aus der zeitgenössischen Film- und Unterhaltungsmusik in gekonnter Weise auf. Überraschend war die Präzision, mit die Wälti-Orgel die Töne «produzierte», die die Organistin bei den zum Teil sehr raschen Läufen und Glissandi vom Instrument forderte. Das Nachhören auf der Webseite ermöglicht einen guten Eindruck.
Orgel und Trompete – ein klassisches Gespann, meist erklingen die gleichen Ohrwürmer. Heinz Balli und André Daniel Schüpbach (Trompete) haben die Zuhörenden mit einem Voluntary für Trompete und Orgel von Charles John Stanley (1713–1786) durchaus «klassisch» begonnen, dann aber mit drei Stücken aus Petr Eben (1929–2007) «Fenster» für Trompete und Orgel (nach Marc Chagall) den Bogen zu einem zeitgenössischen Werk gespannt. Leider war die Sonne inzwischen untergegangen, doch das Spiel von den Farben der Kirchenfenster blieb vom zweiten Konzert in Erinnerung.
Zum Abschluss des Abends führte Christine Heggendorn die Orgel noch einmal in ihrer ganzen Klangvielfalt mit Werken von Johann Sebastian Bach, Charles-Marie Widor (1844-1937) und Alexandre Guilmant (1837-1911) vor. Ihre Spielfreude und Virtuosität war auch kurz vor Mitternacht noch ungebrochen. Mit Spannung kann die neue Orgel CD erwartet werden, die aus dem Live-Mitschnitt des Abends geplant zum zehnjährigen Jubiläum geplant ist.

Neuer Chorleiter – neuer Klang
Dem Kirchenchor unter Leitung von Ewald Lucas ist unterstützt und begleitet von Hans-Eugen Frischknecht am Samstagabend ein Programm gelungen, das die Anwesenden überrascht, berührt und bewegt hat. Von der Gregorianik mit all ihren Tücken bis zur Gesangsimprovisation jedes einzelnen Chormitglieds im Stück «Immortal Bach» von Knut Nystedt (*1915) und vielfältigen weiteren Werken von Guillaume Dufay (1397–1474), über Palestrina und Schütz bis zur Psalmvertonung von John Rutter (*1945) «This is the day» haben Chor und Dirigent gezeigt, was alles gesungen werden kann. Das Publikum war schlicht begeistert von der Leistung das Chors, der mehrheitlich a cappella gesungen hat. Damit hat der Chor Neuland betreten – mit entsprechender Anspannung und anschliessender Freude. Ewald Lucas wirkte ruhig und überlegt und hat mit seiner zurückhaltenden, aber bestimmten Art den Chor zu einem eindrücklichen Resultat geführt. Das Programm, das der Chor einstudiert hat, war anspruchsvoll, mit zahlreichen Wechseln von Stil und Komponist quer durch die Musikgeschichte. Die musikalischen Einwürfe von Hans-Eugen Frischknecht an der Orgel haben dem Chor Pausen verschafft und den musikgeschichtlichen Bogen sehr gut ergänzt.

«Singt dem Herrn ein neues Lied»
Psalm 98 war das Leitmotiv für den Sonntagsgottesdienst entnommen, den Franziska Bracher und Jacques Pasquier gestaltet haben. Obwohl die von Helene Papritz gewählten Orgelwerke nicht erklangen, da Jacques Pasquier ganz kurzfristig für die erkrankte Organistin einspringen musste, wurde der grosse Bogen rund um das Musizieren und Singen in biblischer Tradition und heutigem Leben hörbar. Bach, Boëllmann und Bovet «passen» wunderbar auf die Gümliger Orgel, was bei der Präsentation des zehnjährigen Instruments durch den Orgelbauer Thomas Wälti deutlich wurde, der Jacques Pasquier die passenden Ausschnitte anspielen liess.
Christoph Knoch