Feier.Abend Gümligen (Manuel Perucchi)

Kirche Gümligen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>489</div><div class='bid' style='display:none;'>7015</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
Pfarrperson: Manuel Perucchi
Fällt jemand "zwischen Stuhl und Bank", dann gerät er oder sie in eine ungünstige Lage und muss sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden. Unsere Kirchgemeinde geriet wortwörtlich zwischen Stühle und Bänke, als es um die neue Möblierung der Kirche Muri ging. Die Frage, ob Bänke oder Stühle in der Kirche, kann schnell zur Glaubensfrage werden. Wie verändern die neuen Stühle wohl den Raum? Leidet das Gemeinschaftsgefühl? Gewinnt die Kirche dank der neugewonnenen Flexibilität an Anziehungskraft? Zunächst schliesst die Kirche Muri für Monate ihre Pforten. So machen wir uns Gedanken zu Bänken und Stühlen und dem Dazwischen abseits des Geschehens in der Kirche Gümligen.

Stehen die Bänke für Gemeinschaft, die einen auch mal entlastet, und für Heimat, dann stehen die neuen Stühle vielleicht zunächst für Heimatlosigkeit und für die Frage, was danach kommt. Als Kirche, als Christinnen und Christen, stehen wir immer dazwischen, sprichwörtlich "zwischen Stühlen und Bänken".

Dazu Texte aus der Bibel und von Fulbert Steffensky:

"Als Jesus das Gedränge um sich herum sah, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Ein anderer von den Jüngern sagte zu ihm: Herr, erlaube mir, dass ich zuerst heimgehe und meinen Vater begrabe. Jesus aber sagt zu ihm: Folge mir! Und lass die Toten ihre Toten begraben." (Matthäus 8,18-22)

"Meine Religionshöhle ist mir auch heimatlich, weil ich ihre Wärme mit anderen teile. Ich bin dort im Glaubensgasthaus meiner lebenden und toten Geschwister. Die Toten haben mir die Psalmen vorgewärmt, die ich höre und bete. Die Geschwister, mit denen ich im Gottesdienst singe, stützen meine brüchige Stimme. Der Glaube ist schwer, und ich kann seine Last nicht allein tragen. Ich muss es auch nicht, denn ich lese diesen Geschwistern den Glauben von den Lippen. Ich muss in diesem Fuchsbau nicht der Souverän meines eigenen Glaubens sein. Welche Entlastung!
Ich nenne meinen Fuchsbau jetzt mit seinem anderen Namen: Kirche! Nein, ich bin in dieser Kirche nicht ganz zuhause. Es ist uns nicht versprochen, irgendwo ganz zuhause zu sein. Sie ist eine Art Rohbau jener Heimat, die wir erwarten. Vielleicht sieht man im Rohbau mehr als im schönen, fertigen und abgeschlossenen Haus. Man sieht im Rohbau, was noch fehlt und was noch nicht da ist. Und so verweist er mich auf das andere Haus – besser: auf die andere Stadt, in der alle Tränen abgewischt sind und ‘wo der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz’ (Offenbarung 21,4). Bis dahin sind alle Heimaten mehr Unterstände als wohnliche Orte, aber wenigstens das sind sie." (Fulbert Steffensky: Heimathöhle Religion, 2015, S. 83)

Der "Feier.Abend" im Februar mit Musik von Agata-Maria Raatz (Violine) und Jacques Pasquier (Orgel/Piano) sowie mit Worten von Pfarrer Manuel Perucchi.