Zwar nicht direkt in den Himmel, aber direkt zur Kirche: Eröffnung Kirchenweg

Muri Kirchenweg (Foto: Christoph Knoch)
Am 3. September 2021 wurde der «Kirchenweg» feierlich (wieder) eröffnet.
Während der letzten 20 Jahre war der «Kirchenweg» über das Schlossareal zur Kirche nicht mehr möglich. Im Rahmen der Sanierung von Strasse, Schloss- und Kirchenmauer wurde der direkte Zugang von der Kreuzung beim «Sternen» zur Kirche hindernisfrei ausgebaut. Es ist jetzt möglich, recht bequem mit Rollator, Rollstuhl, Einkaufs- oder Kinderwagen bequem über eine glatte Unterlage zum Kircheneingang auf der Südseite der Kirche zu rollen. Diese Türe wurde motorisiert und öffnet sich nun auf Knopfdruck.

Walter Thut, Kirchgemeindepräsident, Anna Stankiewicz, Schloss Muri, Thomas Hanke, Gemeindepräsident Muri bei Bern (Grusswort schriftlich) und weitere Gäste haben das Band gemeinsam durchtrennt und den Weg bei der «Sternen»-Kreuzung feierlich eröffnet.



Kalendereintrag | Übersicht Festwochenende | Der Bund, 3.11.15


Auszug aus dem Editorial im September 2021:
«Bei meiner Rückkehr nach Muri hatte die Thunstrasse ihre neue Sig­nalisation und der Fussgängerüberweg eine rollstuhlgerechte Insel erhalten. Leise rollt der Verkehr, Bus, Lastwagen, Autos, Velos. Die Momente kritischer Begegnung zwischen Kirche und Lehrerhaus sind Geschichte. Gleichzeitig nehmen die Autofahrenden ihr Vis-à-vis kaum mehr wahr wie all die Jahre vorher. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft zu keinen Unfällen an dieser Stelle kommt.

Muri Kirchenweg (Foto: Christoph Knoch)
Einst hat am Sonntagmorgen der Ortspolizist die Menschen über die Strasse zur Kirchentreppe (Bild) gelotst. Doch der Verkehr nahm zu, die Gottesdienstbesuchenden ab, der Polizist hatte bald anderes zu tun als unliebsame Begegnungen zwischen Fussgängern und Autos zu verhindern.

Muri Kirchenweg (Foto: Christoph Knoch)
Zum Glück hatte der Schlossherr Armand von Ernst ein Herz für Fussgängerinnen und Fussgänger und machte den «Kirchenweg» möglich. Später kam es zu unliebsamen Begegnungen am Weg: Abfall lag in der Schlosswiese. So wurde der Mauerdurchbruch Ende der 1990er Jahre verschlossen.






Im Zug der Sanierung von Schloss- und Kirchenmauer gab es lange Diskussionen, ob und in welcher Form der alte Kirchenweg wieder geöffnet werden könnte. Gute Ideen, Kompromissbereitschaft der heute im Schloss wohnenden Familie und kooperative Bauverantwortliche machten es möglich, dass der direkte Zugang zum uralten Heiligtum auf dem Muriger Schloss- und Kirchenhügel jetzt wieder offen ist. Für Rollstuhl und Rollator ohne grosse Mühe überwindbar ist der Weg zur Kirche oder am Friedhof und an vielen Pflanzen vorbei zum Alten Pfarrhaus und zum Kirchgemeindehaus.

Gab einst die Begegnung mit der Bärengöttin («Dea Artio»), Jupiter, Juno und Minerva, der Göttin Naria und eines Laren, einem typischen römischen Hausgott, neuen Mut für den Weg vom Tempel in Bremgarten zu jenem in Allmendingen bei Thun, so rauschen heute Autos bequem an der Mauer vorbei, über der die Michaelskirche seit dem 9. Jahrhundert und bis heute für himmlische Begegnungen sorgt.

Unweit der Kirche sind jetzt ganz irdische Begegnungen beim sorgfältig geschäumten Cappuccino in der Kaffeebar oder bei der Arbeit im «Co-Working-Space» oder bei Gesprächsangeboten der neuen Pfarrerin möglich.

Etwas aber bleibt: Menschen leben aus und in der Begegnung. Miteinander, untereinander – und durchaus auch aus und in der Begegnung mit jener Welt, die sich unserem Zugriff entzieht bei Meditation und Gottesdienst im Kirchenraum oder beim Besuch der römischen Figuren im Bernischen Historischen Museum.» Christoph Knoch

Muri Kirchenweg (Foto: Christoph Knoch)
Schwalbenschwanz (Foto: Christoph Knoch)