Abraham und Ibrahim: Vater des Glaubens («Klangfenster» 2011)

Abrahams Geburtsgrotte in Sanliurfa T&uuml;rkei <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Christoph&nbsp;Knoch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>29</div><div class='bid' style='display:none;'>36</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
Abrahams Geburtsgrotte in Sanliurfa Türkei (Foto: Christoph Knoch)
Abraham ist eine eigenartige Figur. Zahllose Geschichten werden von diesem Patriarchen in der Bibel und im Talmud, im Koran und den Prophetenüberlieferungen erzählt. Sie führen nach Haran und Edessa, nach Jerusalem und Hebron, nach Ägypten und nach Mekka. Im jüdischen, christlichen und muslimischen Unterricht wird von Abraham oder Ibrahim und seinen Frauen erzählt. Am letzten Januar-Wochenende 2011 war Abraham im Rahmen der «Abrahamiade» in Muri zu Besuch.
Hintergründiges und Lustiges werden Rifa'at Lenzin, Henri Mugier und Philipp Koenig aus den drei Religionen zur Sprache bringen.
Roswita Schilling und Peter Leu setzen die mit einem Augenzwinkern geschriebenen Geschichten des Pfarrkollegiums am Samstag in eine Lesung um. Den Bogen über die drei «Klangfenster»-Tage spannen die Musiker der Gruppe «Züri-Ost»mit feurigen, leisen, fernen und nahen Tönen aus dem grossen Schatz von Klesmer und Gypsy.

Ob Abraham in Person von Ur (Mesopotamien/Südirak) über Haran (Südosttürkei) und Jerusalem nach Hebron (Kanaan/Palästina) gezogen ist, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Unbestritten ist, dass die Abrahamserzählungen überall ihre Spuren hinterlassen haben. Abraham oder Ibrahim gehört zu den zentralen Gestalten in Judentum, Christentum und Islam.
Die Geburt Abra(ha)ms wird in 1. Mose 11,27 nach Ur in Chaldäa verlegt. Heute wird seine Geburtsgrotte in Sanliurfa/Edessa in der Südosttürkei verehrt. Haran, die zweite Station seiner Wanderung (1. Mose 11,31) ist besser bekannt, sie ist wenige Kilometer entfernt. Seine Wanderungen, seine Frauen- und Familiengeschichten lesen sich wie ein Roman. Tragisch und fröhlich, schlitzohrig und lebensnah begegnet dieser gottesfürchtige Götterbilderzerstörer dem «ganz Anderen» auf Augen- und Ohrenhöhe. Er verhandelt und handelt, er streitet und schlichtet und stirbt schliesslich «alt und lebenssatt, um zu seinen Vätern versammelt zu werden».
Hebron heisst arabisch nach Abraham «El Khalil» «der Freund» (Gottes). Hebron ist Abraham/Ibrahim mit seiner Familie zur letzten irdischen Heimat geworden. In der Höhle Machpela, die Abraham zu Lebzeiten den ortsansässigen «Fremden» abgekauft hat, seien Sara und er begraben. Juden und Muslime verehren die Gräber bis heute, in der Kreuzfahrerzeit wurde aus dem unter Herodes erbauten Heiligtum eine Kirche. Immer wieder gab es blutigen Streit um diesen Ort. Leider ist der freie Zugang zu diesen traditionsträchtigen Räumen nicht so einfach möglich.
Ob Moschee, Synagoge oder Kirche – allen müsste es möglich und erlaubt sein, den je eigenen Erinnerungen an diesem Ort nachzuhängen ohne Angst vor Gewalt oder Vereinnahmung.
Christoph Knoch

Henri Mugier, Herrenschwanden
Sozialarbeiter, arbeitet als Therapeut im «Südhang», Klinik für Suchttherapien in Kirchlindach. Nebenamtlich Religionsunterricht in der Jüdischen Gemeinde Bern, in der Freizeit kalligraphische Gestaltung hebräischer Texte. Auf dem Bild zeigt er die von ihm kalligraphierte «Gründungsurkunde» des Hauses der Religionen am Europaplatz in Bern.

«Abraham fasziniert durch seine Freiheit, seinen eigenen Weg zu gehen, durch seinen Mut, für Gott einzustehen und mit ihm zu streiten, durch sein zuhause sein als Krieger und Kämpfer sowohl in der materiellen Welt als auch in der geistigen, durch seine grosse Geduld zu warten, endlich zu seiner Bestimmung zu gelangen, durch seine Bereitschaft, sich selber unterzuordnen, durch sein uneingeschränktes Vertrauen zu Gott, das ihn fast in die Irre führt, durch seine Liebe zur Welt, in der er sich selber fast vergisst, aber auch durch die Bescheidenheit, zuletzt ein ganz gewöhnliches unscheinbares Leben zu führen.»

Rifa'at Lenzin, Zürich
Ihr wurde als Muslimin am 4. Dezember die Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät der Universität Bern verliehen. Sie ist Islamwissenschaftlerin und Co-Leiterin des «Zürcher Lehrhauses». Dort begegnen sich Menschen der drei abrahamitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam.
«Wenn es Abraham nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.»

Philipp Koenig, Bümpliz
Er ist in Gümligen aufgewachsen, Pfarrer in Bümpliz, arbeitet mit im Verein «Kirche im Haus der Religionen».
«Während Odysseus aus der Fremde zurückkehrt in seine Heimat, bleibt Abraham ein Fremder in der Fremde.»

Vorträge und Texte
Henri Mugier
Henri Mugier Predigt
Philipp Koenig
Texte des Pfarrkollegiums


Bilder vom Wochenende 28.-30.1.11 in Muri

Dokumente

Abrahamiade 2011
27.01.2011
8 Bilder
Fotograf