Gottesdienst Muri (Pfingsten, Ella de Groot)

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So. 09.06.2019, 10.00 Uhr
Kirche Muri, Thunstrasse 98, 3074 Muri
Musik: Ruth Sieber
Pfingst - Sprachen.
Gottesdienst mit dem Teilen von Brot und Wein

Wort: Ella de Groot
Musik: Tim Mettler, Trompete; Yana Uzunova, Klavier; Ruth Sieber, Orgel


Gedanken zu Pfingsten 2019 (erschienen in den Lokalnachrichten am 6. Juni 2019)

In meinen jungen Jahren war ich begeistert von den Liedern von Leonard Cohen (1934–2016) und bin es eigentlich immer noch. Seine düstere, melancholische Stimme zupft an einer meiner inneren Saiten. Sein literarisches Vermächtnis, bestehend aus Songtexten, Gedichten und Notizbucheinträgen ist unter dem Titel «die Flamme» herausgebracht worden, womit er der Nachwelt «einen Sack voll Risse» wie es in seinem Notizbuch steht, hinterlassen hat. Durch diese komme das Licht rein, sang er einst in «Anthem».
Viele seiner Texte handeln über Brüche im Leben. «Love ..., it’s a cold and very broken hallelujah» steht in seinem wohl bekanntesten Song «Hallelujah». Schmerz, Verzweiflung, Konflikte und die Zerbrechlichkeit des Lebens prägen seine Texte, anfänglich begleitet von einer Sehnsucht nach einer Liebe, die heilt, nach einem Dasein, das nicht zerrissen, sondern in Harmonie ist mit sich selbst und mit der Umgebung.
In seinem Song «Anthem» hat er die Fragilität des Lebens stehengelassen, ohne nach Heilung zu streben. Es ist vielmehr ein Akzeptieren des Unvollkommenen, ja ein Umarmen der Zerbrechlichkeit. «Wenn so grosse Teile der Welt in Dunkelheit und Chaos gehüllt sind», so sagte er an einem Konzert 2008 in London, dann «ring the bells that still can ring, there’s a crack, a crack in everything, that’s how the light gets in» («Läute die Glocken, die läuten können. Alles hat einen Riss, durch den das Licht einfällt)».

Diese Zeilen scheinen an die alte Geschichte anzuknüpfen von dem Mann, der bei einem Unfall ein Bein verloren hatte. Um sein Gleichgewicht zurückzufinden, zog er sich in ein Kloster zurück. Dort zeichnete er immer wieder geborstene Vasen und kaputte Krüge. Nach und nach fand er sein Gleichgewicht, seine Ruhe wieder, und fand zurück zur Harmonie mit sich selbst. Auf die Frage, warum er, trotz Neubeginn, immer noch geborstene Krüge zeichnete, war seine Antwort: «There is a crack in everything, that’s where the light comes in».
Auch Pfingsten handelt vom Neubeginn. Dann und wann zeigt sich etwas Neues, eine kleine Chance, etwas zum Guten zu wenden. In der Sprache der Bibel heisst diese Chance «Heiliger
Geist», symbolisch dargestellt durch eine Taube. «Die Friedenstaube wird wieder eingefangen, und nie frei sein», singt Cohen im gleichen Lied «Anthem», aber… durch alles geht ein Riss, durch den das Licht einfällt.
Ella de Groot, Pfarrerin
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