«Frohes Feiern!» Betrachtung zum Bettag in den Lokalnachrichten (Christoph Knoch)

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Brezeleisen
Bet-Tage wurden meist aus Not verordnet. Doch: Hopfen, Malz, Äpfel, Birnen, Trauben … vieles wird geerntet. Grund genug, miteinander fröhlich zu feiern. Aus Freude, nicht weil es von Kirche oder Staat verordnet wird. Am kommenden Sonntag, dem eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, feiern wir mit Früchten, Brezeli und … Bier. Dankbar, fröhlich und ein wenig wie die Vögel unter dem Himmel.
ck
Dank-, Buss- und Bettag
Im Herbst ist die Zeit der Ernte: im Garten und auf dem Feld durch uns Menschen. Im Wald und hoch oben in den Bäumen durch Vögel und andere Tiere: «Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen – euer himmlischer Vater ernährt sie.» So sagt der Bergprediger und erinnert daran, dass wir alle unser Leben anderen verdanken. Dem Vater im Himmel, wie er sagt. Der Bergprediger erzählt Geschichten aus dem Leben und erinnert an den Bezug zu der oder dem ganz anderen. Gott.
Sonn- und Festtage nehmen diese Dimension auf.
Hopfen und Malz
Dass Hopfen und Malz nicht verloren sind, so das Sprichwort, sondern dass Hopfen und Malz uns auf die ganz andere Dimension verweisen, zeigt das Brezeleisen von 1680 (Foto) aus einem bayerischen Frauenkloster. Über Assisi in Italien und Konrad Demme kam es zu mir. Getreidekörner und Hopfenblätter seien Symbole für den Erntedank; Mond und Stern würden über das irdisch sichtbare hinausweisen. Das passe doch zum Bettag, meinte der jetzige Besitzer des Brezeleisens und legte es mir auf den Tisch.
Hopfen und Malz – Gott erhalt’s
Nein, wir feiern in Gümligen am Bettag kein vorgezogenes Oktoberfest. Ich stimme keine Lobeshymne aufs Bier an. Die einen lieben dieses «Lebensmittel». Andere können Bier nicht ausstehen. Bier und andere vergorene Getränke gehören seit Jahrtausenden zu den Errungenschaften der Menschheit. Doch am Bier und an den Festtagen scheiden sich die Geister. Feste mit besonderen Ritualen wurden in allen Religionen und Traditionen geprägt und im Wechsel von Alltag und Festtag gepflegt. Es gab Zeiten, in denen war ein Drittel des ganzen Jahres arbeitsfrei. Die Reformation kennt nur noch den Sonntag als freien Tag und hat alle Heiligenfeste abgeschafft. Weihnachten und Osterfestkreis blieben die Ausnahme. Der wirtschaftliche Aufschwung in den von der Reformation geprägten Gebieten liess nicht lange auf sich warten. Inzwischen hat sich unsere arbeitsteilige Gesellschaft ganz selbstverständlich wieder viel mehr freie Tage zurückerobert und neue Rituale geschaffen oder alte neu gedeutet.
Christoph Knoch
Foto: Christoph Knoch/Konrad Demme