Klangfensterwochenende in der Kirche Muri – wieder ein Glücksgriff

«Begabt, begeistert, bewegt» – das Klangfensterwochenende vom 26. und 27. Januar 2013 wurde dem Motto des hundertsten Kirchensonntags vollends gerecht.
Simone Buser Oesterling
Ein Stück vom Glück bedeutete sicherlich für viele Konzertbesucher in der klaren und kalten Samstagnacht, dass die Kirche Muri angenehm geheizt war. Da wurde die Arbeit der abtretenden Sigristin Susanne Meier und ihrer Nachfolgerin Susanne Pelozzi geschätzt. Doch Wärme verströmte auch der Gesang der Frontfrau von der Gruppe Chantemoiselle und richtig eingeheizt wurde dem Publikum mit so manchem Solo der Musiker, deren Begabung nach dem Abend wohl keiner in Frage stellte.
Myria Poffet sang von kleinen Glücksmomenten, in denen sich das Publikum wiederfinden konnte. So sicherlich besonders beim Lied «Wattebett», wo sie die Sinneserfahrung beim Aareschwimmen beschreibt: «I sinke, i touche, la mi la tribe... Es isch schöner als e Troum. Es isch mir wohl. I mache d’Ouge zue und i ghöre s’Glitzere vo de Steine...». Dass die Texte der vielen berndeutschen Lieder oft nicht bis in die hintersten Reihen verstanden werden konnten, war schade. Dafür war die Stimmung umso raumfüllender. Kein Zweifel, der Funke sprang über, und wenn auch viel Melancholie in den Liedern war, so konnte sicher jeder mit einem «Stück vom Glück» wieder heimkehren. Vielleicht nur im übertragenen Sinne als wärmende Sinneserfahrung oder ganz konkret mit der gleichnamigen CD der Gruppe.

Myria Poffet begleitete auch den Gottesdienst zum Kirchensonntag vom 27. Januar und machte deutlich, dass Populärmusik zu einem stimmigen und besinnlichen Kirchenerlebnis beitragen kann. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Barbara Schmutz, Susanna Bleuer, Franziska Bracher und Claudia Hofer Wälti. Das Frauenteam (leider ohne Karin Künti Duru, die krankheitshalber abwesend war) spannte mit Hilfe des Predigertexts «Alles hat seine Zeit» einen Bogen von den Texten von Chantemoiselle, die von Zeiten des Lachens, Tanzens, Loslassens und Weggehens handeln, zum Bibeltext. Sie erörterten auch, weshalb in letzterem von einer «Zeit des Tötens, Zeit des Heilens...des Steine werfens und Steine sammelns» die Rede ist. Dass genau diese Textstellen, die in konkreter Form so vor den Kopf stossen, im übertragenen Sinne von schwierigen Entscheidungen in allen Lebenslagen handeln, von der Notwendigkeit des Loslassen, vom Trauern und wieder Heilwerden, vom Fundamente bauen, von Abbruch und Aufbruch, von Verlust und der Suche nach Neuem. Theres Funk, Leiterin der Betriebskommission, nahm am Ende des Gottesdienstes diesen thematischen Faden auf, indem sie mit den Worten «es isch Zyt» der abtretenden Sigristin Susanne Meier für ihren 15-jährigen Einsatz für die Kirchgemeinde dankte und ihre Nachfolgerin Susanne Pelozzi offiziell begrüsste.