Leben und Sterben

Aktuell: «Für ein gutes Lebensende ...» am 10. Mai, 19 Uhr, Bärtschihus Gümligen

Hintergrundmaterial zu den drei Abenden im Kirchgemeindehaus, Thunstrasse 98, Muri und ein Kamingespräch im Thoracherhus, Kranichweg 10, Muri.

Seite 16 Gemeindeseiten «reformiert.» Oktober 2015.
Flyer zu den drei Abenden.

Selbstbestimmtes Sterben wird heute immer mehr zu einer Forderung im modernen Gesundheitswesen.
Die assistierten Suizide haben seit 2010 jährlich um etwa 18 Prozent zugenommen. Mit dieser Entwicklung muss sich auch die Kirche ernsthaft auseinandersetzen.
Einen Entscheid für oder gegen assistierte Selbsttötung fällt allein die oder der Betroffene. Dieser Entscheid kann und soll ihm oder ihr nicht abgenommen werden. Es muss aber jede Hilfestellung geboten werden, die Betroffene für den Entscheid brauchen.

Wir, Pfarrerinnen und Seelsorger, möchten Menschen in Sterbesituationen begleiten, wie immer deren Entscheidung gefallen ist.
Der christliche Glaube nimmt das Leben als Geschenk mit vielen Möglichkeiten wahr. Leben als Gabe impliziert Freiheit zum Leben. Wer nicht mehr leben will, dem hilft auch der Befehl, dass er leben soll, nicht weiter (Bonhoeffer, Ethik) Ein Sterbewunsch bringt zum Ausdruck, dass ein Mensch Leben nicht mehr als gute Gabe, als wohltuende Möglichkeit sehen kann. Der Eindruck, dass das Leben als Gabe den Zwang zum Leben impliziert, muss darum in jeder Situation vermieden werden.

Leben in christlicher Sicht ist Leben in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, in Beziehungen zu anderen und in der Verantwortung für andere.
Selbstbestimmung besteht darin, das Leben in bewusster Verantwortung in der Gemeinschaft mit andern zu gestalten.
Die Seelsorge kann eine Hilfestellung bieten, im Gespräch Beziehungen zu klären, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen.

Dazu sind wir als Pfarrerinnen und Pfarrer der Kirchgemeinde da.
Sie erreichen jederzeit eine Pfarrperson über die Telefonnummer 031 950 44 55.

Kirche(n)

Studie des SEK (Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund)

Webseite der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland)

Pastoralschreiben der Schweizerischen Bischofskonferenz

Webseite Deutsche Bischofskonferenz

Der Schweizer Theologe Hans Küng hingegen, ist Mitglied bei der Sterbehilfeorganisation Exit. Seine Beweggründe legt er in seinen Büchern «Erlebte Menschlichkeit» und «Glücklich sterben» dar.

Patientenverfügungen

Die FMH und die SAMW stellen eine Patientenverfügung in zwei Varianten sowie eine Hinweiskarte fürs Portemonnaie zur Verfügung.

Webseite FMH

ratgeber (26.10.15)

Übersicht

Palliativ-Care

Gespräch mit einer Seelsorgerin Palliativpflege im Diaconis (in der Berner Zeitung)

Palliativpflege
Puls, 2.11.15
Palliativ.ch

Deutscher Hospiz- und Palliativ Verband

Echo der Zeit, 2.11.15
Deutschlandfunk zum Thema
Weitere Beiträge zur Diskussion in Deutschland Deutschlandfunk

Palliative Care:
• lindert Schmerzen und belastende Symptome
• bejaht das Leben und akzeptiert den Tod als einen normalen Prozess
• hat weder zum Ziel, den Tod zu beschleunigen noch zu verzögern
• integriert psychologische, soziale, seelische sowie geistige Dimensionen in Behandlung und Pflege
• bietet unterstützendeMassnahmen an, damit Patienten bis zuletzt so aktiv wie möglich leben können
• unterstützt Familien während dem Verlauf der Krankheit des Patienten sowie auch im späteren Trauerprozess
• arbeitet mit einem multiprofessionellen Team, um den Bedürfnissen der Patienten - einschliesslich Beratung, falls indiziert - gerecht zu werden
• kann in einem frühen Stadium der Krankheit, zusammen mit anderen Therapien, die lebensverlängernd wirken - wie Chemo- und Radiotherapien -, eingesetzt werden
• wendet Interventionen an, anhand welcher belastende und qualvolle klinische Komplikationen besser verstanden und gelindert werden können

Bestattung/Trauer

Literatur

Achim Kuhn (Hg.), Deadline. Prominente über Leben und Sterben
Wer über den Tod nachdenkt, bekommt das Leben in den Blick. Das ist allen Beiträgen gemeinsam, auch wenn deren Autorinnen und Autoren aus ganz verschiedenen Bereichen von Kultur, Politik und Gesellschaft stammen. Ausgehend von einem frei gewählten Text erinnern sich 32 Persönlichkeiten an Berührungen, die sie mit dem Sterben und dem Tod hatten, beruflich oder privat.
Die existenzielle Grenze des Lebens vor Augen, erzählen diese Personen in oft sehr persönlichen Zeugnisse von konkreten Befürchtungen, von grossen oder kleinen Hoffnungen und von dem Bewusstsein über den Wert des Lebens, das durch die Erfahrung des Sterben-Müssens geschärft wird.
Mit Beiträgen von Fernsehmoderatorin Mona Vetsch, vom Herzchirurgen Thierry Carrel, vom Zen-Lehrer Loten Dahortsang, vom ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKO Nikolaus Schneider, von Ständerätin Karin Ke ller-Sutter, vom Liedermacher Linard Bardill und vielen anderen.

Achim Kuhn, Jahrgang 1963, ist evangelisch-reformierter Pfarrer in Männedorf. Er absolvierte Zusatzausbildungen in Leadership, PR/Kommunikation sowie in Journalismus.
TVZ Zürich 2015, 316 Seiten, Paperback. ISBN 978-3-290-17783-6. CHF 29.80.


Cicely Saunders (Hg.) /JJ?, .. Der Horizont ist nur die Grenze unserer Sicht. Eine persönliche Sammlung ermutigender Texte für Palliative Care und Hospizarbeit
Übersetzt und eingeleitet von Martina Holder-Franz

Cicely Saunders setzte sich in mehr als fünf Jahrzehnten in Praxis, Forschung und Lehre für Palliative Care ein. Neben unzähligen Veröffentlichungen stellte die Pionierin der modernen Palliativpflege auch eine ganz persönliche Textsammlung zusammen. Saunders beginnt mit der Frage nach dem Sinn von Leben und von Leiden, spricht von Wut und Schuldgefühlen, thematisiert Endlichkeit, Sterben und Abschiednehmen. Dabei knüpft sie bei dem an, was ihre Patientinnen und Patienten im St. Christopher's Hospice sie gelehrt haben. Ihren Anfragen und Leidenserfahrungen begegnet sie nicht mit fertigen Antworten, sondern sie stellt die unterschiedlichen Texte und Gedanken suchend dazu.
Unter anderem mit Patienten-Gedichten, Berichten von HolocaustÜberlebenden, philosophischen Auszügen und literarischen Passagen von Teilhard de Chardin, C. S. Lewis oder Harold Kushner

Cicely Saunders, 1918-2005, war zuerst Krankenschwester und Sozialarbeiterin, studierte Medizin und wurde zur Begründerin der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin. Martina Holder-Franz, Jahrgang 1967, ist Pfarrerin und Sozialpädagogin in Riehen.

TVZ Zürich, erscheint November 2015, ca. 196 Seiten, Paperback. ISBN 978-3-290-17836-9, ca. CHF 29.80