Pfingsten 2010: «Darf es ein wenig schärfer sein?» (Ella de Groot)

2010 Pfingsten <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Christoph&nbsp;Knoch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>9</div><div class='bid' style='display:none;'>111</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
2010 Pfingsten (Foto: Christoph Knoch)
Gebratenes Wild oder Lamm und der Duft von frisch gebackenen 'Güetzi' versprechen Weihnachten. Ostern gibt es nicht ohne Schokolade und Eier.
Ob süss oder salzig, ohne diesen Geschmack, ohne diese Gerüche ist Weihnachten nicht richtig Weihnachten, Ostern nicht Ostern. Und Pfingsten?
Wie schmeckt Pfingsten, süss oder salzig?
Pfingsten bedeutet in der christlichen Tradition: der Geist Gottes wird ausgegossen auf die Menschen. «Zungen wie von Feuer liessen sich auf die Jünger nieder, und sie wurden alle von heiligem Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden». So beschreibt die Bibel das Pfingstgeschehen in Apostelgeschichte 2,1-12. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Eine Gemeinschaft entsteht und wächst. Pfingsten scheint etwas mit Sprache und mit Zungen zu tun zu haben. Doch die Zunge ist nicht nur zum Sprechen da, sondern auch zum Schmecken. Könnten sich Menschen vielleicht über das Schmecken zu einer christlichen Gemeinschaft verbinden? Und welcher Geschmack, welches Gericht passt zu Pfingsten?
Ich möchte Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, zu Pfingsten eine feurige Chilisuppe vorschlagen. Scharf ist in dem Sinne zwar kein Geschmack wie süss, sauer, salzig und bitter. Schärfe wird von den Geschmacksrezeptoren als Verbrennung oder sogar als Schmerz aufgenommen, Feuer auf der Zunge und im Gaumen! Als Antwort auf die Schärfe am Gaumen schüttet das Gehirn Endorphine aus und das macht glücklich! Wer scharf isst, gewöhnt sich an die Schärfe, verliert aber nicht den Geschmackssinn, sondern erweitert die Geschmacksvielfalt, weil dann schärfere Gerichte tränenfrei und differenziert geschmeckt werden. Auch Kirche ist Geschmackssache. Wie eine Kirche aussehen darf, mit welchen Bildern sie geschmückt werden darf, welche Musik dort erklingt, wie das Wort ausgelegt werden soll, darüber lässt sich streiten. Selbstbewusst treten neue Geschmäcker an, die andere Musik und neue Gottesdienstformen verlangen. Ich wünsche mir, dass wir in der kirchlichen Küche auch das Feuerwerk von Chili, Ingwer und Knoblauch erleben dürfen in überraschenden, brennenden, schmerzhaft irritierenden Kombinationen von Bekanntem und Fremdem.

Feurige Chilisuppe für 4 Personen:
2 Zwiebeln, 1 Knoblauchzehe, 8 Chilischoten, 4 gekochte mehlige Kartoffeln, 1 TL geraffelte Ingwer und 300 gr. Tomaten in etwas Öl dunsten. Mit Bouillon ablöschen und pürieren. 800 cl. Gemüsebouillon hinzufügen. Vor dem Servieren mit Mascarpone oder Rahm abschmecken.

Ich wünsche Ihnen glückliche Pfingsten!
Ihre Pfarrerin Ella de Groot

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