Juden und Christen gegen Gewaltspirale um den Tempelberg

Das israelische Oberrabbinat und die Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem haben sich unabhängig voneinander vehement gegen eine weitere Eskalation der Gewalt wegen des Tempelberges ausgesprochen. Der sefardische Oberrabbiner Jitzchak Josef beschuldigte indirekt Teile der Regierung für die Eskalation der Gewalt mit verantwortlich zu sein.
Bei der Beerdigung des zweiten Opfers des Attentats gegen unschuldige Straßenbahnpassagiere, des siebzehnjährigen Shalom Aharon Badani, sagte Josef: "Dies ist der Ort, das werte Publikum aufzurufen, diese Aufhetzung zu beenden. Von hier aus soll der Ruf gehört werden, dass es jedem Juden verboten ist, den Tempelberg zu betreten. Von hier ertönt der Aufruf, dieses Verbrechen zu beenden, damit endlich das Vergießen unschuldigen Bluts ein Ende hat."

Josef beschuldigte gewisse Rabbiner, für ds Blutvergießen mitverantwortlich zu sein, indem sie zum Betreten des Tempelberges aufrufen und damit "Öl auf das Feuer gießen".

Nach jüdisch-orthodoxer Mehrheitsmeinung ist Juden das Betreten des Tempelberges verboten, weil die Stelle des Allerheiligsten des früheren jüdischen Tempels nicht bekannt ist und so durch Betreten dieser Stelle eine Todsünde begangen werden könnte, die mit Karet, der himmlischen Todesstrafe geahndet wird.

Einige Rabbiner, unter ihnen der ehemalige Oberrabbiner des Heeres, lomo Goren, haben aber gewisse Plätze des Tempelberges für Juden erlaubt, weil hier auf keinen Fall sich das Allerheiligste des jüdischen Tempels befunden haben könnte. Aber auch dies wird vom Oberrabbinat zurückgewiesen, weil es in der heutigen Zeit keine Entsühnung von Unreinheit mehr gibt, und der gesamte Tempelplatz nur von Reinen betreten werden durfte.

In letzter Zeit hatten sich die Äußerungen rechtsextremistischer jüdischer Kreise gehäuft, die fordern, auf dem Tempelplatz beten zu dürfen, was einer Änderung des status quo gleichkommen würde.

Auch die Kirchenoberhäupter in Jerusalem haben die Aktivitäten dieser Kreise aufs schärfste verurteilt. In einer gemeinsamen Erklärung heisst es unter anderem:

«Wir, die Kirchenoberhäupter in Jerusalem, wollen unsere ernste Besorgnis über die Reaktion auf die jüngsten Aktivitäten auf dem Haram al Sharif, die die Vollsperrung beider und Einschränkung des Zugangs zur Al-Aqsa-Moschee zur Folge hatte, zum Ausdruck bringen. Diese Ereignisse wurden durch extremistische Handlungen provoziert, die zu einem Problem sowohl hier im Heiligen Land als auch in der weiteren Region geworden sind. Wir verurteilen jegliche Drohung hinsichtlich der Änderung des Status der Heiligen Stätten, von wo auch immer sie kommen mögen. Die Heiligen Stätten bedürfen des ständigen wachsamen Schutzes, damit ein angemessener Zugang zu ihnen nach herrschendem Status Quo aller drei abrahamitischen Religionen gepflegt werden kann.»


Dr. Michael Krupp
Ein Karem A 28
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