Antonín Dvoráks Stabat Mater in der Kirche Gümligen

Der erweiterte Kirchenchor Muri-Gümligen, das OPUS Orchester Bern, Solistinnen und Solisten haben am 20./21. März unter der Leitung von Ulrich Schweizer das Stabat Mater von Antonín Dvorák aufgeführt.

Besprechung von Professor Dr. Peter Glatthard, Muri
Von den über 30 Vertonungen des Stabat Mater (seit dem späten 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart) ist Dvoráks Werk wohl die persönlichste und innigste und berührt daher immer wieder zutiefst und unmittelbar. In diesem berühmten und kunstvollen Hymnus aus dem 13. Jahrhundert durchdringen sich franziskanische Marienverehrung und Passionsmystik formvollendet. Die schmerzensreiche Mutter Gottes steht unter dem Kreuz ihres Sohnes. Ergreifend beklagt sie seinen Tod, leidet, trauert und fordert uns zur mitempfindenden «compassio» auf. Dieses spätmittelalterliche Andachtsbild - auch in der bildenden Kunst - verlangt kontemplatives Verinnerlichen des Leidens Christi, um in der «unio mystica» geheimnisvoll mit dem Göttlichen eins zu werden.
Vor 130 Jahren hat der Komponist sein Werk, die erste grosse tschechische Kirchenmusik, in Prag uraufgeführt. Der «Erweiterte Kirchenchor Muri-Gümligen» hat sich an dieses monumentale und anspruchsvolle Werk gewagt - und ist über sich hinaus gewachsen. Ulrich Schweizer hat den Laienchor überaus sorgfältig vorbereitet: seine Begeisterung, gepaart mit profunder Werkkenntnis und umsichtiger Stabführung, liess die Aufführung zu einem eindrücklichen, bleibenden Erlebnis werden. Das OPUS-Orchester, professionell, intensiv und klangschön mitgestaltend, hervorzuheben sind die Bläser, war ein zuverlässiger Partner. Das Solistenquartett hat sowohl in den Solopartien wie vor allem in den Quartetten überzeugt: Tenor (Christophe Einhorn) und Bass (Peter Brechbühler) gleichermassen ausdrucksstark, Sopran (Brigitte Fournier) und Alt (Liliane Zürcher) einfühlend expressiv. Dvoráks spätromantische Tonsprache hat berührt, mitfühlende Herzen geöffnet, erschüttert. Die ergriffenen Zuhörer haben Ulrich Schweizer, Chor, Orchester und Solisten für das eindrückliche Musikerlebnis spontan mit Ovationen gedankt. (pgm)

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