Abschied von Rotterdam

de meeste mensen zijn andere mensen <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Ella&nbsp;de&nbsp;Groot)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>185</div><div class='bid' style='display:none;'>1394</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>
de meeste mensen zijn andere mensen (Foto: Ella de Groot)
‚Die meisten Menschen sind andere Menschen‘ steht in rot-orangen Neonbuchstaben an einer Hausfassade im multi-ethnischen Norden von Rotterdam.
Rotterdam ist eine andere Stadt. In Rotterdam begegnet man der Welt. Rotterdam ist seit jeher eine Stadt, wo sich die ‚neuen‘ ihren Platz zwischen den ‚alten‘ Niederländern suchen. Auch ich habe hier meinen Platz gefunden.
Jetzt, nach fünf Monaten von berührenden, manchmal schwierigen, jedoch immer bereichernden Begegnungen ist es Zeit, mich von den ‚anderen‘ Menschen zu verabschieden. Einige nenne ich mit Namen.
Bart, ein offenherziger, kleiner Fischverkäufer, treffe ich fünf Fahrradminuten von uns entfernt, im schönsten und grössten Fischladen der Stadt. Doch die Zeit war zu kurz, um sein Assortiment von 130 Fischsorten zu probieren. Sein Motto heisst: ‚noch frischere Fische schwimmen noch‘.
Julius, aus Suriname, hat als ehemaliger Freiheitskämpfer ein schweres Trauma davon getragen. Einer regelmässigen Arbeit kann er deshalb nicht mehr nachgehen. Er ist jeden Tag im Quartierzentrum ‚de Put‘ anzutreffen. Immer wieder erzählt er Geschichten seiner Vorfahren, die als Sklaven aus Afrika via Curacao nach Suriname gebracht worden waren.
Chalid, der junge Mann aus dem Osten Marokkos, ist ein bescheidener und fröhlicher Kaufmann. Seine Oliven sind die besten des ganzen Afrikanermarkts. Sein Frühstück besteht aus Münzentee und schwarzen Oliven, so hat er mir erzählt. Jede Woche hat er mir ein paar Datteln oder Feigen mehr zu meinen Einkäufen geschenkt.
Floriana, aus Kosovo, ist als sechsjähriges Mädchen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in die Niederlande geflüchtet. Ihren Vater und zwei Brüder hat sie in ihren Kleinkinderjahren verloren. Es folgte eine lange, unischere Zeit in Asylzentren, bis die Kleinfamilie endlich in einem stockkonservativen, reformierten Dorf im Südwesten der Niederlande einen Wohnsitz fand, wo ein schwieriger Weg der Integration für diese Muslimfamilie begann. Floriana haben wir in unserer Lieblingsbeiz ‚de Matroos en het meisje‘ kennengelernt, wo sie mehr ist als eine Rotterdamerin, und in ihrer Herzlichkeit alle anderen Rotterdamer übertrifft.
Sief, ein Straatcoach, hat mich berührt mit seiner Neugier. Auf einem unserer Streifzüge durch die Stadt hat er von mir alles über Jesus wissen wollen und mir von seinen Gedanken und seinem Glauben erzählt.
Jan, geübter Schiffer mit dem Wassertaxi, hat uns, wenn’s schnell gehen sollte, mit hoher Geschwindigkeit auf die andere Seite der Maas geführt. Er hatte früher bei der Holland-Amerika-Line gearbeitet und viele Tränen fliessen sehen… beim Abschiednehmen von Rotterdam.