Lieber ein guter Nachbar als ein ferner Freund. Feier zum ersten Advent

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Adventsfeier in 'de put' (Foto: Ella de Groot)
Nicht in einer Kirche, sondern im Quartierzentrum de Put findet alle zwei Wochen am Freitagnachmittag eine Feier statt, diesmal ist es die Feier zum ersten Advent.
Ella de Groot
„Lieber ein guter Nachbar als ein ferner Freund“. Feier zum ersten Advent
Nicht in einer Kirche, sondern im Quartierzentrum de Put findet alle zwei Wochen am Freitagnachmittag eine Feier statt, diesmal ist es die Feier zum ersten Advent. Die Begegnungen in dem ärmlichen Raum des Zentrums, empfinde ich intimer und direkter als in einer Kirche. Es sind Begegnungen der direkten Art und in der einfachen Umgangssprache. Das Gespräch zu zweit und in der Gruppe ist ein wichtiger Bestandteil. Die Bewohner und Bewohnerinnen bringen ihre Wirklichkeit mit in die Feier und in der Begegnung findet ein Herantasten statt, eine Annäherung an die Quellen des menschlichen Erlebens. Zu diesen Quellen gehört auch die christliche Tradition, aber nicht nur.
Diese Feiern werden jeweils vorbereitet mit Menschen aus dem Quartier, die sich entweder am Rande oder ausserhalb der Kirche bewegen. Sie nehmen die Strasse, ‚die Welt der eigenen Realität‘ mit hinein in die Feier. Das wiederum bestimmt die Liturgie. Das Thema der Feier entspringt so der Wirklichkeit des Lebens.
Das Kirchenjahr ist nicht ganz abwesend; der erste Advent wird gewürdigt, indem ein Adventskranz am Boden liegt und die erste Kerze angezündet wird.
Hein, der katholische Seelsorger des Quartiers Bloemhof, hat zusammen mit Daja und Nico aus Curacao die Feier vorbereitet.
Die beiden haben ‚ihre Strasse‘, die Atjehstrasse in Katendrecht, als Thema vorbereitet und mit in die Feier genommen. Licht, Liebe, Leben im Bloemhof, haben sie als Titel für die Adventsfeier gewählt.
Auf Plakaten haben sie Bilder geklebt unter dem Motto: lieber ein guter Nachbar als ein ferner Freund (ein ursprünglich niederländisches Sprichwort) und Fragen gestellt: Wie können wir mit unseren Nachbarn auf gute Weise leben, damit die Strasse, unser Quartier, zu einem warmen zu Hause wird. Wie können wir füreinander da sein?

Da wo die Strasse, die Welt von aussen, in die Liturgie hineinkommt, ändert die Liturgie und umgekehrt.
In diesem Sinne hat Hein passende Texte zur Begrüssung geschrieben und als Lesung die Geschichte von Elisa und der Witwe mit dem Ölkrüglein gewählt, ein Text, wo Nachbarschaftshilfe am Rande vorkommt.
Nach der Lesung erzählen Daja und Nico was die Nachbarn für sie bedeuten und mit welchen Problemen sie als Quartierbewohner konfrontiert sind.
Sie erzählen von Ratten in den Häusern, von Kellern die unter Wasser stehen, von unzumutbaren Zuständen und von Wohnungskooperationen, bei denen sie kein Gehör finden. Die Anwesenden sind betroffen, das Gespräch kommt in Gang, Ratschläge werden erteilt und Mitgefühl wird spürbar. Es ist ein unglaublich dichter Moment, eine Art spiritueller Kommunikation.
Ich spüre, wie der in der klassischen Theologie gängige Gegensatz zwischen der heiligen und der alltäglichen Wirklichkeit in der Spiritualität dieser Feier überwunden wird. Das klassische Gebet kommt nicht vor in der Liturgie, doch die Anliegen und Probleme werden ‚vor Gott‘, das heisst hier ‚im spirituellen Kontext dieser Feier‘, ausgebreitet.
Mit einem Lied, am Klavier begleitet durch eine Quartierbewohnerin, schliessen wir die Feier ab:
„wohnen und überall daheim,
Menschen stehen auf und gehen ins Leben“
(Lied und Text von Huub Oosterhuis)