Adventskalender für den 8. Dezember

Im heutigen Adventskalender berichtet Ella de Groot aus Rotterdam
«Lieber ein guter Nachbar als ein ferner Freund.»
Feier zum ersten Advent


Nicht in einer Kirche, sondern im Quartierzentrum de Put in Rotterdam findet alle zwei Wochen am Freitagnachmittag eine Feier statt, diesmal ist es die Feier zum ersten Advent. Das Gespräch zu zweit und in der Gruppe ist ein wichtiger Bestandteil der Feier.
Hein, der katholische Seelsorger des Quartiers Bloemhof, hat zusammen mit Daja und Nico aus Curacao die Feier vorbereitet. Sie bringen ihre Wirklichkeit mit in die Feier. Die beiden haben ‚ihre Strasse‘, die Atjehstrasse in Katendrecht, als Thema vorbereitet. Licht, Liebe, Leben im Bloemhof, haben sie als Titel für die Adventsfeier gewählt. Auf Plakaten haben sie Bilder geklebt unter dem Motto: lieber ein guter Nachbar als ein ferner Freund (ein ursprünglich niederländisches Sprichwort) und Fragen gestellt: Wie können wir mit unseren Nachbarn auf gute Weise leben, damit die Strasse, unser Quartier, zu einem warmen zu Hause wird. Wie können wir füreinander da sein?

Da wo die Strasse, die Welt von aussen, in die Liturgie hineinkommt, ändert die Liturgie und umgekehrt. In diesem Sinne hat Hein passende Texte zur Begrüssung geschrieben und als Lesung die Geschichte von Elisa und der Witwe mit dem Ölkrüglein gewählt, ein Text, wo Nachbarschaftshilfe am Rande vorkommt. Nach der Lesung erzählen Daja und Nico was die Nachbarn für sie bedeuten und mit welchen Problemen sie als Quartierbewohner konfrontiert sind. Sie erzählen von Ratten in den Häusern, von Kellern die unter Wasser stehen, von unzumutbaren Zuständen und von Wohnungskooperationen, bei denen sie kein Gehör finden. Die Anwesenden sind betroffen, das Gespräch kommt in Gang, Ratschläge werden erteilt und Mitgefühl wird spürbar. Es ist ein sehr dichter Moment, eine Art spiritueller Kommunikation. Ich spüre, wie der in der klassischen Theologie gängige Gegensatz zwischen der heiligen und der alltäglichen Wirklichkeit in der Spiritualität dieser Feier überwunden wird. Das klassische Gebet kommt nicht vor in der Liturgie, doch die Anliegen und Probleme werden ‚vor Gott‘, das heisst hier ‚im spirituellen Kontext dieser Feier‘, ausgebreitet.
Mit einem Lied, am Klavier begleitet durch eine Quartierbewohnerin, schliessen wir die Feier ab:
«wohnen und überall daheim,
Menschen stehen auf und gehen ins Leben»
(Lied und Text von Huub Oosterhuis)

Text und Foto von Ella de Groot, zur Zeit in Rotterdam