Laudate omnes gentes - Taize als verbindende Sprache der Oekumene (5.11.13)

Taize in Busan <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Christoph&nbsp;Knoch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>186</div><div class='bid' style='display:none;'>1195</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
Taize in Busan (Foto: Christoph Knoch)
Grosse Erwartungen im Vorfeld hat das Plenum über die Einheit der Kirche geweckt. Viele Fragen blieben im Papier (leider) unerwähnt. Die jungen Stimmen aus Südafrika und Alaska überraschten alle sehr positiv. Ganz bewusst war der Abschluss des Morgens den beiden Brüdern aus Taize übergeben worden.
Das Papier zur Einheit der Kirche wurde im Plenum vorgestellt und am Abend wurde ein kurzgefasstes Statement zur Einheit von den Delegierten diskutiert. Am Mittwoch (5.11.) wird dieses Statement von den Delegierten der Vollversammlung verabschiedet .

Ein zentraler Satz aus dem Papier zur Einheit sei hier zitiert: 13. Die Einheit der Kirche, die Einheit der menschlichen Gemeinschaft und die Einheit der ganzen Schöpfung gehören zusammen. Sie sind untrennbar miteinander verbunden. Die Einheit der Kirche setzt ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden voraus, das uns anspornt, gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden in Gottes Welt einzutreten.

Der ganze Text lässt durchschimmern, dass es im oekumenischen Prozess immer Kompromisse braucht ....

Die Voten der "alten Oekumene-Hasen" waren nicht überraschend. Es war (mindestens für mich) auch nichts zu hören vom spannenden (ziemlich langen) Text zu "Kirche - auf dem Weg zu einer gemeinsamen Vision", den die Kommission für Glaube und Kirchenverfassung nach 20 Jahren Arbeit kürzlich verabschiedet hat. Frisch und nachdenkenswert war der Dialog zwischen einer Südafrikanerin und einem kanadischen Bischof. Sie berichteten beide von sehr konkreten Herausforderungen für die etablierten Kirchen. Und wie dringend es ist, sich den Fragen von Klimawandel und Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu stellen.
In grossen Körben wurden die Gebetsanliegen und Wünsche aller Versammlungsteilnehmenden gesammelt. Wenn sie vielleicht in 50 Jahren veröffentlicht werden, dann werden wir sehen, dass viele wesentlich weiter denken als zurzeit gedacht werden darf. Zum Abschluss lasen die alten Hasen und die beiden Vertreter einer neuen Generation den Ruf zur Einheit von der 1. Vollversammlung des Oekumenischen Rates der Kirchen in Amsterdam. Erst bei "Ubi caritas" und "Laudate omnes gentes" fand aber die Versammlung zur gemeinsamen Sprache. Nicht die pfingstlerische Anrufung des Heiligen Geistes vom Vorabend, nicht die Tauferinnerung, nicht die Referate des Tages - die einfache Form des Gebets mit dem Hören auf den biblischen Text, der Stille und den Liedern von Taize, angeleitet von Bruder Richard, liessen alle mit einer Stimme singen und rufen "Ubi caritas et amor deus ibis est" und "Laudate omnes gentes". - Ein wenig Emotionen dürfen sein, müssen sein. Denn so wird deutlich, dass die Herzen von vielen hier wesentlich weiter sind als der Verstand.

Bruder Richard betonte im Interview, das ich am nächsten Morgen mit ihm machen konnte (später hier zu sehen), wie wichtig für die Oekumene diese einfache Form der Präsenz und der Kontinuität sei. Gemeinsam vor Gott, gemeinsam in der Stille, gemeinsam im Gebet und im Singen, das habe er oft erfahren, sei der Ort, wo sich Grenzen - mindestens für den Augenblick des Gebets - verschieben, ja verschwinden.


Christoph Knoch, zZt in Busan / Südkorea