Sonntag – Bettag – Feiertag? Betrachtung zum Festtag

Kirche G&uuml;mligen  <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Christoph&nbsp;Knoch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>9</div><div class='bid' style='display:none;'>49</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
Kirche Gümligen (Foto: Christoph Knoch)
Auf einem grossen Packpapier haben die Schüler aufgelistet, wozu der Sonntag da ist, was man am Sonntag alles machen kann. Ganz schön viel ist da zusammengekommen, fast sieht es aus, als hätte an dem Tag all das noch Platz, wozu die anderen sechs Wochentage zu kurz sind.
Christoph Knoch,
Sonntag? Bettag? – Ein Kind fragt: ist es der siebte oder eigentlich der erste Wochentag? Sechs Tage sollst Du arbeiten, aber am siebten sollst Du ruhen, erklärt ein Kamerad. So habe es Mose in den zehn Geboten aufgeschrieben, habe in der dritten Klasse doch Herr Nobs erzählt. Und auch der Kalender fange die Woche mit dem Montag an. Wenn im Fahrplan bei einem Zug die Nummer 1 – 5 stehe, dann bedeute das Montag bis Freitag. Ein Mädchen aber wendet ein, der christliche Sonntag weise auf den Auferstehungsmorgen zurück, er sei die Erinnerung an das Osterfest, er sei also eigentlich der erste Wochentag.

Sonntag? Bettag? – Die Schülerfrage will mehr als eine Schülerantwort. Der Sonntag ist beides, erster und letzter Tag. Sage ich «letzter Tag», so ist er das «Wochenende», der Tag des Abschieds von der vergangenen Woche, der Schlusspunkt, an dem sich sammelt und zur Ruhe kommt, was in der Woche war. Da gehe ich etwa früh am Sonntag Morgen der Aare entlang und lasse die Menschen an mir vorüberziehen, denen ich die Woche durch begegnete, die Aufgaben, die mir am Herzen oder auf der Seele lagen, das Helle und das Dunkle also, und ich spüre, dass ich es niederlegen kann. Lass es gelten, dass sich das alles noch einmal versammelt an dem siebten Tag.

Aber auch das andere ist wahr. Der Sonntag ist der erste Tag. An ihm erfahre ich, was das ist: Gnade des Anfangs. Es ist nicht die Arbeit, mit der es nun wieder anfängt, die lasse ich ruhen heute, auch wenn immer vieles unerledigt bleibt. Es wäre schlimm, wenn ich vor der Welt und vor mir selber keinen anderen Wert hätte als den einer Arbeitskraft. Der Sonntag als der erste Tag – er sagt mir leise und doch unüberhörbar die richtige Reihenfolge. Zuerst ein Mensch, Gottes Geschöpf, Mann meiner Frau, Vater meiner Kinder, Freund meiner Freunde, Bruder meiner Mitmenschen, und dann erst ein Arbeiter, das ist die Reihenfolge.

Ich denke an das alte Gebot: du sollst den Feiertag heiligen. Du sollst ihn besonders halten, ihn nicht verwechseln. Das wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, wo immer Sie an diesem Bettag, 21. September, auch sind, ob zuhause oder «on the road»: dass Ihnen dann und wann ein Tag geschenkt wird, an dem Sie über Ihrer Unruhe etwas von der Ruhe Gottes spüren und etwas von dem zarten Zauber, der über jedem unsrer Lebenstage liegt.

Martin Koelbing




Foto: Christoph Knoch, Kirche Gümligen