Betrachtungen zum Bettag: «Gott hat keine Hände. Nur unsere.»*

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Hände - Buchegg
Schauen Sie sich einmal Ihre Hände an. Gefallen Ihnen Ihre Hände? Alle haben wir Falten und Linien. Trotzdem ist die Haut meistens glatt – und wenn sie bei kaltem Wetter rissig wird, dann salben wir unsere Hände. Wir tun ihnen etwas Gutes. Manchmal nach jedem Waschen.
Unsere Händen sind dauernd in Bewegung. Beim Schreiben, beim Waschen, beim Graben in der Erde. Selten sind die Momente, in denen wir die Hände ruhen lassen. Zur Meditation, zum Beten – beim Schlafen. Unsere Hände sind unsere wichtigsten «Werkzeuge». Das wird schmerzhaft deutlich, wenn wir sie nicht einfach zur Verfügung haben weil wir die eine Hand - oder schlimmstenfalls sogar beide Hände – verletzt haben. Wir brauchen unsere Hände. Tagtäglich.
In der Buchegg, dem Alters- und Pflegeheim an der Thunstrasse, gab es in den letzten Wochen eine Ausstellung mit wunderbaren Händen in schwarz-weiss Aufnahmen. Silvia Stalder hat während einer langen Zeit ganz alltägliche, ganz flüchtige Situationen festgehalten.
Manche Bilder zeigen beide Hände einer Person, andere zeigen zwei, die einander die Hände reichen. Mich faszinieren diese Hände. Sie sind gezeichnet von einem langen Leben. Manchen sehe ich an, dass Gicht und andere Einschränkungen das Brauchen der Hände schwer machen. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Vom Gärtnern mit der Erde, vom Apfel, von der Schreibmaschine. Und vom Beten.

«Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht ER [Gott] stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.»
Seit der Sonntagsschule begleitet mich diese Strophe aus dem Erntdedank-Lied von Jochen Klepper (Lied 584: «Der Tag ist seiner Höhe nah») – unweigerlich kamen mir diese Worte in den Sinn als ich Bilder in der Buchegg gesehen habe.
Später habe ich bei Dorothee Sölle gelesen «Gott hat keine anderen Hände als unsere» und «Gott braucht uns und wir brauchen Gott».

Das ist für mich in diesem Jahr «Bettag». Mehr nicht – aber auch nicht weniger. Meine Hände und unsere Hände. Ich freue mich auf Ihren Händedruck. Am Sonntag oder am Werktag.

Ihr Christoph Knoch

* Von Michael Vogt wurde ich darauf hingewiesen, dass der Satz «Gott hat keine anderen Hände als unsere» ursprünglich von Georges Bernanos (1888-1948) stammt: «Dieu n'a pas d'autres mains que les nôtre ».

Fotos: Silvia Stalder, Buchegg / Montage: Petra Frutig