Gott: Person oder Kraft?

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Ella de Groot und Samuel Geiser (Foto: © Christoph Knoch)
Am Montagabend hat Samuel Geiser, Redaktor der Monatszeitung «reformiert.», in der vollbesetzten Kirche Muri Pfarrerin Ella de Groot unter dem Titel «für ein vielfältiges Gottesbild» zu ihren Gottes-Vorstellungen befragt. Engagierte Voten aus dem Publikum unterstützten und hinterfragten die Position der hiesigen Pfarrerin. Fazit des Abends war, dass die Suche nach einer neuen Sprache und neuen Bildern in der Kirche weitergehen muss, wenn sie den Faden zur säkularen Welt nicht verlieren will.
Heidi Gebauer, Präsidentin des Kirchgemeinderates Muri-Gümligen, betonte in ihrer Begrüssung, dass der Rat sich einstimmig hinter die Pfarrerin gestellt hat und der Rat im Vorfeld der Perspektiven-Sendung vom 14. Juli über den Inhalt orientiert worden war. Sie dankte Samuel Geiser für seine Bereitschaft, den Abend zu moderieren. Ella de Groot hat in ihren Voten immer wieder betont, dass sie in der Sendung und im Gespräch ganz klar ihr persönliche Position und ihren persönlichen Erkenntnisprozess dargelegt habe. Sie dankte (und kritisierte) Heidi Kronenberg, die für die Sendung vom 14. Juli und deren Titel «Hört auf zu glauben» verantwortlich war: «Ohne diese Verkürzung würden wir heute nicht hier diskutieren».

Ein weiter Weg
Im Gespräch hat die Pfarrerin noch einmal deutlich gemacht, dass sie einen weiten Weg zurückgelegt hat, weg von der Vorstellung eines allmächtigen, fürsorglichen und strafenden Gottes hin zur Aussage, dass Gott immer in Anführungszeichen zu setzen sei und wir uns darüber Rechenschaft abzulegen hätten, was wir unter «Gott» verstehen. Ella de Groot meinte schelmisch «Wenn Atheistin meint, nicht an Gott als persönliches Gegenüber zu glauben, dann bin ich mit vielen anderen Pfarrern und Pfarrerinnen Atheistin. Für mich aber geht es um die Kraft, die zum Leben drängt. Es geht darum, Erfahrungen in der Welt zu deuten und zu verstehen. In der Liebe zwischen Menschen ereignet sich ‹Gott›.» Der knappen Zeit wegen blieb der Exkurs in die Kirchen- und Dogmengeschichte des 4. und 5. Jahrhunderts etwas vage: «Die Trinitätslehre haben damals alte Männer erfunden und dann zu dogmatischen Lehrsätzen der Kirche gemacht.». Letztlich aber war der Grund für diese Auseinandersetzungen den heutigen sehr ähnlich: Wie kann das, was nicht verstehbar und formulierbar ist – eben «Gott» - doch in Worte, Begriffe und Bilder gegossen werden? Sorgfältig und präzise hat der reformiert.-Redaktor immer wieder nachgefragt und die Voten aus dem Publikum aufgenommen.

Das Gespräch muss weitergehen
Der Hinweis auf Nikolaus von Kues (1401-1464) und sein Gedanke vom «Zusammenfallen der Gegensätze», die Frage nach dem persönlichen Beten der Pfarrerin oder dem Umgang mit Unservater und Taufliturgie haben deutlich gemacht, dass noch vielfältige Fragen offen sind, die in Gesprächen und Predigtreihen weiter bearbeitet werden müssen. Ob nicht neue Formen dialogischer Predigt an der Zeit seien, wurde gefragt. Ella de Groot hat sich mit dem Hinweis darauf in ihren Studienurlaub in Rotterdam verabschiedet, dass das Gespräch hier auch ohne sie weitergehe – denn «meine Pfarrkollegen und –kolleginnen denken ähnlich und sind für solche Gespräche genauso offen.»
Das ganze Gespräch ist zu sehen und zu hören auf der Webseite der Kirchgemeinde www.rkmg.ch/gottesbilder.

Im Winter wird es eine Predigtreihe «Für ein vielfältiges Gottesbild» geben, in der neben den hiesigen Pfarrerinnen und Pfarrern auch Alt-Synodalratspräsident Dr. Samuel Lutz (1. Dezember) zu hören sein wird.

Christoph Knoch