Süd-Sudan: Zwischen Hoffen und Bangen

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Besuch aus dem Südsudan beim Synodalrat in Bern (Foto: Christoph Knoch)
Zwei Vertreter der Presbyterianischen Kirche des Süd-Sudan besuchten eine Berner Kirchgemeinde und wurden im «Haus der Kirche» empfangen.
Pfr. Peter Gai Lual Marrow, Moderator (links neben Dr. Andreas Zeller) und Pfr. John Yor Nyiker Deng, Generalsekretär der Presbyterianischen Kirche des Süd-Sudan.

Bilder des Besuchs

Anfang Mai waren auf Einladung von mission 21 zwei hochrangige Delegierte der Presbyterianischen Kirche des Süd-Sudan (PCOSS) zu Gast in Bern. Sie trafen sich mit interessierten Gemeindegliedern in der Petrus-Gemeinde und wurden im «Haus der Kirche» von einer Delegation des Synodalrates und des Bereichs OeME zu einem Gedankenaustausch empfangen. Deutlich wurde in beiden Begegnungen, wie wichtig der unmittelbare Austausch ist und wie wenig über die schwierige Lage im jüngsten Staat der Erde hierzulande bekannt ist. Jüngste Medienberichte (Juli/August 2013) zeigen, dass dieser junge Staat durch ethnische Konflikte und lokale Rebellionen gefährdet ist.

Nach langen Jahren der militärischen Auseinandersetzung zwischen dem stark muslimisch geprägten nördlichen Landesteil mit der Hauptstadt Khartum und dem christlich und traditionell religiös geprägten Süden ist am 9. Juli 2011 die Republik Südsudan gegründet worden. Die Hoffnung war, dass damit endlich Ruhe einkehre und sich der Süden zu einem demokratischen Rechtsstaat entwickeln würde. Die Kirchen (die römisch-katholische, die anglikanische und die presbyterianische) haben sich in diesem Prozess stark engagiert und sind seit April 2013 auch offiziell in der Verfassungskommission der Regierung vertreten. Zudem wurden sie von der Regierung beauftragt, im schwierigen Friedens- und Versöhnungsprozess staatspolitisch die Verantwortung zu übernehmen, weil die Bevölkerung den Friedensbemühungen der Regierung vielerorts mit grossem Misstrauen begegnet. Für die Kirchenleitungen sei es wichtig, so betonte Peter Gai Lual Marrow, der Moderator (entspricht dem Bischof oder Synodalratspräsidenten), dass es gelungen ist, im «Nationalen Kirchenrat» die Kirchen von der römisch-katholischen bis zu den pfingstlerisch geprägten zusammenzubringen. Das sei sehr spannend und für ihn ein Zeichen der Hoffnung.

«Wir wurden unabhängig Dank der Gnade Gottes, die Brüder im Norden waren total blind für uns.»
Der Moderator erzählte mit grossem Engagement von der Spannung zwischen der Freude über die Unabhängigkeit und den Sorgen um die Zukunft: «Wir haben zwar mit der Unabhängigkeit das bekommen, was wir wollten, aber wir kämpfen immer noch mit den Folgen des Krieges.» Und die Schwierigkeiten haben seither massiv zugenommen. «Sudanesen lügen gerne. Sie sagen, es geht gut, obwohl das nicht stimmt» gab Peter Gai Lual Marrow beim Gemeindeabend in der Petrus-Kirche in Bern offen zu. Es sei noch längst nicht klar, wie der Prozess schliesslich enden werde. 98% des Staatseinkommens stammen aus der Ölförderung, doch lässt sich das Erdöl nur über den (Nord-) Sudan exportieren. Der Streit um die Durchleitungsgebühren zwischen dem Süden und dem Norden hatte zu einer Blockade des Ölexports und einem Versiegen der Staatseinnahmen geführt. Die Unterstützung von mission 21 und der Presbyterianischen Kirche der USA ist überlebensnotwendig, so hat Armin Zimmermann betont, der bei mission 21 für den Südsudan verantwortlich ist und die Delegation begleitet hat.

«Wir brauchen niemanden, um unser Haus zu putzen, aber wir brauchen den Besuch von Freunden.»
Beide Vertreter der PCOSS haben betont, wie wichtig es ist, dass die Kirchen sich in der Versöhnung zwischen den Volksgruppen engagieren. Viel zu viele Waffen aus dem Bürgerkrieg mit dem Norden seien noch verfügbar. Die traditionellen Kämpfe um Kuhherden und Weidegründe zwischen den Volksgruppen seien früher mit Speeren und Messern ausgefochten worden – Kalschnikows und andere Waffen führten heute zu einer viel grösseren Zahl von Opfern. Als sie entdeckt hätten «Presbyterians are killing Presbyterians», läuteten die Alarmglocken. Es sei nun enorm wichtig, sich als Kirchen im Versöhnungsprozess zu engagieren, so der Moderator. Das bedeute, zu den anderen zu gehen, denn «Versöhnung braucht den Blick ins Gesicht des anderen. Das geht nicht auf Distanz.»

Der Krieg hat viel zerstört, doch die Hoffnung lebt!
Die Gemeinden sind mausarm, doch die Kirchen sind jeden Sonntag brechend voll. Die dreistündigen Gottesdienste sind fröhlich und farbenprächtig. «Letzte Woche durfte ich drei Frauen ordinieren. Insgesamt sind es 2013 schon fünf. Sie arbeiten (noch) nicht allein, aber nach einer Praktikumszeit sollten sie alleine die Gemeindeleitung übernehmen dürfen.» erzählt Peter Gai Lual Marrow voller Freude. «Wir brauchen eure Gebete. Wir brauchen den Austausch. Wir brauchen Leute, die uns helfen, die Entwicklung auf den verschiedenen Ebenen weiter zu führen.» Für die 475 Pfarrer, die neben dem winzigen Lohn der eigenen Gemeinde, einem Broterwerb nachgehen müssen, ist es wichtig, dass die theologischen Seminare auch eine solide handwerkliche Ausbildung anbieten. Da liegt eine zentrale Aufgabe für die Zusammenarbeit, um Projekte zu entwickeln, die für die Pfarrer ein Einkommen generieren können. Der Besuch in Bern hat deutlich gemacht, wie wichtig eine langfristige und verbindliche Zusammenarbeit ist. Hier gilt der Dank Christoph Schnyder, dem ehemaligen Afrika-Referenten der Basler Mission, der weiterhin und unermüdlich diese Kontakte pflegt.

Christoph Knoch, Pfarrer in Muri-Gümligen, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen im Kanton Bern und Mitglied der Fachkommission OeME


Die Presbyterian Church of South Sudan (PCOSS) ist die drittgrösste Kirche des Südsudan mit ungefähr einer Million Mitgliedern. Sie mobilisiert und motiviert ihre Mitglieder, sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse in ihrem jeweiligen Umfeld einzusetzen. Dabei steht die Bildungsarbeit im Zentrum, von der Frauen- und Jugendarbeit über Primar- und Abendschulen bis zur theologischen Ausbildung.

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