Gottesdienst zum Flüchtlingssonntag, 17.6.07

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Flüchtlingssonntag 2007 (Foto: Christoph Knoch)
Gottesdienst zum Flüchtlingssonntag, 17.6.07
ck/kkd
Eingangsspiel
Gruss: Im Namen Gottes des allmächtigen und der barmherzigen beginnen wir diesen Gottesdienst.
Gott ist weiter, als wir denken können.
Jesus Christus ist uns vorausgegangen über von Menschen gesetzte Gren-zen. In Gottes Geist überwinden wir, was uns von anderen trennt. Amen.
Sigrid Düringer, in: Beratungsstelle für Gestaltung, Leitbilder der Kirche, Gottesdienste und Materialien zu acht biblischen Leitbildern, Hefte Nr. 7, Frankfurt/M. 1996, S. 41
Ich begrüsse Sie ganz herzlich – auch im Namen von Katharina Flury Mwa-chotea, Karin Künti Duru Susanne Meier und Gisela Murmann Jentsch. Ein besonderer Gruss gilt unserem Gast Doctor Kin’gesi, der mit seiner Musik den Bogen weit über Muri und Gümligen hinaus spannt. Thank you Doctor for joining us this morning here in Muri.
Wir singen miteinander:
Lied 8: „Ich lobe meinen Gott“, 1x dt., 1x frz.
Eingangsgebet (KKD / KFM)
Lied Doctor Kingesi (DK)
Editorial-Geschichte „Warum haben wir nicht geschwiegen?“ (KFM)
Musik (DK)
Predigt (CK): Tages-Anzeiger Online vom 16.6.07 10:04
Schwarzer in Basel bewusstlos geschlagen
Ein älterer Mann ist in der Nacht in einen Basler Park lebensgefährlich ver-letzt worden. Beim Opfer handelt es sich um einen Schwarzen; seine Identi-tät war vorerst nicht bekannt.
Wie die Behörden heute Morgen mitteilten, wies der Bewusstlose massivste Gesichtsverletzungen durch Schläge auf und hatte viel Blut verloren. Beim Opfer handelt es sich um einen Mann schwarzer Hautfarbe mit weissen Haa-ren, möglicherweise Schwarzafrikaner. Seine Identität war zunächst nicht geklärt, trug er doch weder Ausweispapiere noch sonstige Gegenstände auf sich. Sie seien ihm möglicherweise von der unbekannten Täterschaft abge-nommen worden, schreibt die Staatsanwaltschaft. (ret/ap)

12. Juni 2007: katholische internationale presseagentur kipa: Die drei Lan-deskirchen und die jüdische Gemeinschaft setzen sich für die Erhal-tung der humanitären Tradition der Schweiz und für Integration von Ausländer ein. Das schreibt die Schweizer Bischofskonferenz in einer ge-meinsamen Erklärung mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, der Christkatholischen Kirche und dem Schweizerischen Israelitischen Ge-meindebund. Am kommenden Wochenende findet der Flüchtlingssonntag beziehungsweise Flüchtlingssabbat statt. Dieses Jahr steht er unter dem Mot-to „Stopp Ausgrenzung”. Die Integration von Flüchtlingen, aber auch von anderen Ausländern gehe jede Bürgerin und jeden Bürger etwas an, heißt es in dem Aufruf. Dies sei ein gegenseitiger Prozess, der sowohl die Bereitschaft der fremden Menschen als auch den Willen und die Offenheit von Schweize-rinnen und Schweizern voraussetze. (kipa)
Liebe Gemeinde,
zwei Meldungen der vergangenen Woche. Die eine überrascht mich, die andere nicht. Die eine schockiert mich, die andere beruhigt. Die Meldung vom 12. Juni, dass die Kirchen und die jüdische Gemeinschaft der Schweiz sich gemeinsam gegen Ausgrenzung und für offene Begegnungen einset-zen, ist nicht überraschend. Seit Jahren schon schreiben die vier immer einen Text zum Flüchtlingssabbat und –Sonntag. Der ganze Text ist prominent auf der homepage der Bischofskonferenz zu lesen.
Die Meldung von gestern hat mich schockiert – und doch nicht über-rascht. Wer mit Menschen anderer Hautfarbe spricht, erfährt immer wieder von den häufig sehr offenen und hie und da versteckten Übergriffen. Da dürfen wir niemals zur Tagesordnung übergehen!
„STOPP AUSGRENZUNG“ ist das Motto des diesjährigen Flüchtlings-tags/sabbats und –sonntags. Stopp Ausgrenzung – ja zur Begegnung.
Begegnungen mit anderen – Stopp Ausgrenzung: ich denke an Flüchtlinge, Sans Papiers, Fremde, Menschen, die eine Invalidenrente beziehen.
Wenn wir uns auf Begegnungen mit anderen einlassen, stehen wir in der Tradition des Jesus von Nazareth. Wir stehen aber nicht unbedingt in der jahrhundertelangen Tradition der Kirche, die von Augustin her Bekehrung und Mission mit mehr als nur sanftem Druck im Blick hatte: „cogite intrare – nötige sie, einzutreten“ so der Auftrag an den Diener in unserer Geschichte.
Doch ich will nicht vorgreifen.
Hören wir die Gleichnis-Geschichte, die von Jesus überliefert wird als er ein-mal am Schabbat zu einem angesehenen Pharisäer eingeladen war:
(Einheitsübersetzung) Lukas 14 15 Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. 16Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. 17Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! 18Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muß jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! 19 Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! 20 Wie-der ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. 21 Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. 22 Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. 23 Da sagte der Herr zu dem Die-ner: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. 24 Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.
Wenn ich eine Geschichte höre oder einen Film sehe, so gefällt mir meist ei-ne Person besser als eine andere. Mit ihr identifiziere ich mich.
Mit wem identifizieren Sie sich?
Mit denen, die sich höflich entschuldigen?
Mit jenen, die von draussen eingeladen werden?
Oder versetzen Sie sich am liebsten in die, die bei der dritten Runde einge-laden werden? Also jene von den Hecken und Zäunen? Das wären heute vielleicht jene, die bei der Gassenküche ihr Essen holen (müssen).
Im Gleichnis ist die Einladung zunächst für die "bessere" Gesellschaft be-stimmt. Seine Freunde und Bekannte hat der wohlhabende Mann zum Fest geladen. Wie üblich in der Zeit Jesu wird die Einladung angekündigt und wenn das Essen bereit ist, wird den Gästen per Bote mitgeteilt: „So, jetzt könnt ihr kommen.“
Es klingeln nicht PDA und elektronische Agenda, sondern der Diener kommt persönlich vorbei. Die Einladung war abgemacht, der Termin reserviert und dennoch lässt sich nun einer um den anderen höflich entschuldigen. Jeder hat seinen guten Grund: Es ist ja keine Kleinigkeit, einen Acker oder Ochsengespanne zu kaufen. Oder gar zu Heiraten! Das verstehen wir.
Die Ent schuldigungen klingen überzeugend. Sie sind nicht aus Verlegenheit erfunden. Der Bote des Einladenden ärgert sich. Er geht umsonst von ei-nem zum andern. Noch vielmehr aber ärgert sich der Hausherr: "er wurde sehr zornig". Er hat ja das Fest für die Gäste vorbereitet!
Nun schickt er den Boten ein zweites Mal. Sein Haus muss voll werden! Alle, auch die die niemand gerne bei sich am Tisch haben will, sollen kommen.
Das Fest soll in jedem Fall stattfinden, das ist dem Hausherrn wichtig.
Stopp Ausgrenzung. Wirklich? Denn das Fest war doch zunächst für die vornehme Gesellschaft gedacht. Erst als die absagt, werden die anderen ge-rufen. Und am Schluss wird – weniger in der Lukasfassung aber ganz massiv in der parallelen Matthäusüberlieferung – jenen die Katastrophe verheissen, die die Einladung verschmäht haben.
Stopp Ausgrenzung: Ja! Es geht darum, sich auf Begegnungen einzulassen. Mit allen am Tisch zu sitzen. Denn beim gemeinsamen Essen „Kommt, es ist alles bereit“ entsteht Vertrauen, wächst Gemeinschaft.
Wenn ich mit den anderen zusammensitze, am gleichen Tisch, auf gleicher Ebene, dann kann ich verstehen, warum es so schmerzt, nicht in die Heimat zurück zu können. Warum das erhaltene Asyl nicht wirklich glücklich macht.
Das Gleichnis sagt: Werdet zu Einladenden. Und ermuntert durchaus, die Einladung anzunehmen. Denn es ist oft gar nicht einfach, die Einladung ein-fach so anzunehmen: Die Einladung zum Essen, zum Symposion, zum Ge-spräch.
Das Gleichnis Jesu will ermuntern, zu Einladenden zu werden. Ein Ausleger sagt: die Quintessenz dieses Gleichnisses ist:
„Einladend voneinander denken und miteinander umgehen“
Einladend voneinander denken. Das ist ein erster Schritt, um der Ausgren-zung Einhalt zu gebieten. Wie denke ich? Welche Vorurteile trage ich mit mir herum?
Dann kann hoffentlich der nächste Schritt folgen, dass wir einladend mitein-ander umgehen – nachher beim Brunch. Und morgen im Bus.
„Die jüdische Gemeinschaft und die Kirchen setzen sich weiterhin dafür ein, dass die humanitäre Tradition unseres Landes erhalten bleibt, Personen in unsicheren Lebenslagen nicht ausgegrenzt werden und die Integration stär-ker gefördert wird. Es ist unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass dies nicht leere Versprechungen sind. Der Sozialhilfestopp für abgelehnte Asylsuchende darf nicht zu menschenunwürdigen Ausgrenzungen führen.“
Musik (DK)
Gebet „Gott ist Asyl“ (KFM)
Schlussgebet
Gott,
du bist Asyl
Zuflucht der Menschen.
Solange, Gott,
Menschen vor Menschen fliehen müssen,
solange sie mit Bündeln auf den Köpfen,
Wasserkanistern in den Händen über die Strassen ziehen,
solange sie sich mit wenig Gepäck
und verzweifelter Hoffnung
über die Grenzen auch in unser Land retten,
solange die Menschen millionenfach auf der Flucht sind:
Mach uns zu gastlichen Menschen,
einige uns in der Hilfsbereitschaft,
befreie uns von der Angst vor den Fremden,
die doch in Wahrheit unsere Schwestern und Brüder sind.
Gib auch uns Asyl, Gott,
lass uns Zuflucht finden bei dir
mit unseren Sorgen, mit unseren Zweifeln,
mit unseren unruhigen Gedanken.
Lass uns finden, Gott,
wo der Himmel ist.
Annette und Wolfgang Armbrüster
in: Annette und Wolfgang Armbrüster, Wir bringen die Welt ins Gespräch
mit der Liebe, Psalmen / Tagesgebete / Fürbitten / Segen / Gebete für Kinder
und andere Texte, Presseverband der Ev. Kirche im Rheinland e.V., Düsseldorf
2. Aufl. 1997
Lied 840 „Gott, gib und Stärke“, 1-3(dt.)
Abkündigungen (KKD) mit Orgelzwischenspiel (GM)
Kollekte HEKS-Projekte „Stopp Ausgrenzung“ (KKD)
Mitteilungen: Einladung zum Brunch (KKD)
Lied 842 „Jeder Schritt auf dieser Erde“, 1-3
Segen (KKD)
Orgel