Weihnachten in Betlehem - am 18. Januar 2013 mit der armenischen Gemeinde

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Franziskaner in der Geburtsgrotte
Die armenisch-orthodoxe Kirche feiert Weihnachten am «alten» Datum, dem 6. Januar. Dazu kommt die Verschiebung des julianischen und des gregorianischen Kalenders. Darum wird in Betlehem (und in Jerusalem) alle Jahre dreimal Weihnachten gefeiert. Zu den Festlichkeiten gehört jeweils der Einzug des Patriarchen (oder eben des Bischofs) in Betlehem, ein Empfang mit den politischen Würdenträgern und mehrere Gottesdienste.
Am Nachmittag des 18. Januar fährt der offizielle Konvoi mit dem Patriarchen (in diesem Jahr wurde er durch einen Erzbischof vertreten. Die Wahl des neuen Patriarchen war am 24. Januar), Bischöfen, Priestern und Seminaristen von Jerusalem nach Betlehem. Gleich wie am 24.12. und am 6.1. öffnen sich die massiven Stahltore der Apartheid-Mauer für den von israelischer respektive palästinensischer Polizei begleiteten Konvoi.
In Betlehem treten die verschiedenen Pfadfinder-Gruppen mit Trommeln und Pfeifen an und geleiten die Gäste in die Geburtskirche.
«Wenn Du das einmal erlebt hast, dann kannst Du Dir das sparen» war der gute Rat von George. So brach ich erst zum Empfang auf und traf mich mit George um 17 Uhr am Jaffator.

George Hintlian hat mir mit einer offiziellen Einladung des armenischen Patriarchats zum Empfang der Armenier in Betlehem die Türe geöffnet zu einer durchaus beeindruckenden Begegnung mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas (Abu Mazen). Ich konnte gemeinsam mit George und Philippe Agret, dem Leiter der für Israel und Palästina verantwortlichen Agentur von afp (Agence France Press) in Jerusalem, nach Betlehem fahren. Dank des Presseausweises haben sich alle Sicherheitsabsperrungen geöffnet und wir kamen direkt am Platz vor der Geburtskirche an.

In einem wunderbar renovierten Raum aus der Kreuzfahrerzeit direkt unterhalb des armenischen Klosters neben der Geburtskirche fand der festliche Empfang statt. Mit gebührender Verspätung traf der palästinensische Präsident mit seiner Entourage ein und überbrachte die Weihnachtsgrüsse der Regierung an die Armenier. Abbas hat sich zu aktuellen politischen Fragen geäussert - ebenso nahm die Replik des Erzbischofs die Verdienste von Abbas um eine Verbesserung der Lage der Palästinenser auf. Von beiden wurde betont, dass es um ein friedliches Zusammenleben Seite an Seite mit dem Staat Israel gehe und nur Frieden für beide Völker eine Zukunft habe.

Nach den Familienbildern mit dem Präsidenten, der sich als freundlicher Grossvater auch mit der nächsten Generation ablichten liess, folgte der üppige Apéro.

Den Gottesdienst zwischen 22.30 und 1 Uhr morgens beschreiben die angehängten Bilder besser als jeder Text. Es war eine familiäre Atmosphäre in der Kirche und im Grotto - immer kritisch begleitet von den Blicken der griechisch-orthodoxen Aufpasser. Schliesslich aber durfte die Gemeinde doch auf den «griechischen» Stühlen Platz nehmen ...

Kurz nach 1 Uhr war der Hauptgottesdienst beendet und die meisten Jerusalemer reihten sich ein in den Autokonvoi des Patriarchats - und wieder öffneten sich die Stahltüren mit freundlichen Grüssen von palästinensischen Soldaten und Polizisten und ihren ebenso freundlich strahlenden israelischen Kolleginnen und Kollegen. Schade, dass Weihnachten nur dreimal im Jahr ist.

Christoph Knoch

Bilderreihe: «Auf dem Weg nach Betlehem»