Karwoche und Ostern – oder das zarte Pflänzchen Hoffnung

Abraham - Ibrahim - Avraham <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Christoph&nbsp;Knoch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>29</div><div class='bid' style='display:none;'>38</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
Abraham - Ibrahim - Avraham (Foto: Christoph Knoch)
Osternacht und Ostermarsch. Die Liste der mit «Ostern» zusammengesetzten Wörter liesse sich fast beliebig verlängern. Bei der Karwoche bleiben wenig mehr als Karfreitag und Karsamstag, die Tage der Klage («chara») und der Trauer.
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So gesehen müsste von Ostern Freude und Zuversicht weit in den Alltag strahlen – nicht Klage und Jammer.
Doch nicht nur in der Lebens- und Leidensgeschichte des Jesus von Nazareth liegt beides nahe beiein-ander: Auf das fröhliche Feiern des Pessachfestes (dieses Jahr hat dieses jüdische Fest auf der ganzen Welt am Mittwoch begonnen und dauert eine Woche) folgen Verrat, Verurteilung und Hinrichtung. Trauer und Klage, Angst und Verlassenheit – wie für allzu viele Menschen auf dieser Welt.
Das besondere der Geschichte Jesu ist das unerklärliche Geschehen des Ostermorgens: die Frauen fin-den das Grab leer. Angst und Furcht macht sich breit, bis sich schliesslich die unglaubliche Nachricht vom Eingreifen Gottes verbreitet. Bis zu uns. Das Unbegreifliche in Worte zu fassen, bleibt schwierig, letztlich unmöglich. Ostern wird damit zum «achten Tag der Schöpfung».
Ostererfahrungen sind nicht auf diesen einen Tag im Jahr begrenzt. Ostern ereignet sich für mich immer wieder. Ein Licht geht auf, ein zartes Pflänzchen beginnt zu wachsen. Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich nicht nur weit weg am Himmel, sondern oft mitten im Alltag – wenn wir darauf achten.
Nicht das Jammern, nicht die Trauer soll das Leben bestimmen, sondern der Blick auf die zarten Pflänzchen, die überall zu spriessen beginnen.
In Sao Paulo, der 20 Millionen Stadt in Brasilien, habe ich auf der Rückreise von der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Porto Alegre (Brasilien) das Kinderrechtszentrum Interlagos besucht. Seit vielen Jahren werden dort straffällig gewordenen Jugendlichen neue Perspektiven eröffnet. Gleichzeitig wird bei der Polizei um Verständnis für die Jugendlichen geworben, mit dem Resultat, dass heute in dem riesigen Stadtviertel nur noch jährlich zehn Kinder durch Kugeln der Polizei sterben, statt früher eines pro Woche.
Ostern? Mindestens wächst ein hoffnungsvolles Pflänzchen heran, aus dem einmal ein starker Baum werden kann.
«In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt» war das Thema der Vollversammlung. Das Logo macht es deutlich: die kleine, zarte Pflanze in der sorgsamen Hand. Wir glauben, dass die Welt verwandelt werden muss; dass die Welt verwandelt werden kann. Von Ostern her erhält dieses Gebet seine Kraft. Halten wir Ausschau nach jenen Pflänzchen, die unsere achtsame Zuwendung brauchen und uns auf Gottes unbegreifliches Handeln hinweisen. Nicht nur am Ostermorgen.

Christoph Knoch