Die weisse Feder zur Erinnerung

Gümligen Verabschiedung Ella de Groot (Foto: Christoph Knoch)
Zweimal war die Kirche Gümligen gut gefüllt. Traurig war für viele der Anlass: Pfarrerin Ella de Groot geht in Pension. «Corona» begrenzte die Kapazität und das regelmässige Lüften kühlte Raum und Menschen. Gedanken und Musik aber bauten eine tragfähige Brücken zu den Herzen der Zuhörenden. Die kleine weisse Feder wird die Stimmung des Gottesdienstes noch lange weitertragen.
Hier die Aufzeichnung und das Manuskript von Predigt und Liturgie.:
Zwischen dem Prophetenwort des Jesaja «Steh nicht still im Vergangenen, es kündigt sich Neues an, merkt ihr das nicht?» (Jesaja 43, 19) und dem von Max von Mühlenen in Glas und Farben gegossenen Worten des Paulus aus dem 1. Korintherbrief: «So bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, die grösste unter ihnen ist die Liebe.» wanderten ihre Gedanken hin und zurück. Sie habe mit dem grossen Bild im Rücken manche Hochzeit, manche Taufe, manche Trauerfeier in der Gümliger Kirche gestaltet. Heinz Balli, der langjährige Organist, sei für sie wichtig gewesen, um die Brücke hin zur zeitgenössischen Orgelmusik zu bauen. Werke von César Franck und Louis Vierne stellen diese Brücke am Sonntag mächtig her.
Jacques Pasquier sei ihr eine grosse Hilfe gewesen, um Brücken zu kirchendistanzierten Menschen zu bauen. Mirjam Schmid und Rebekka Halter haben mit ihm im Abschiedsgottesdient ein Trio von Francis Poulenc für Klavier, Oboe und Fagott erklingen lassen.
Während Jahren war es Ändu Renggli, der musikalische Brücken geschlagen hat zu Konfirmandinnen und Konfirmanden, um IHRE Musik in der Kirche zum Tönen zu bringen. Vier Konfirmandinnen der letzten Konf-Gruppe (Anna, Chloé, Estelle und Valentina) haben diese Brücke gut hörbar werden lassen.
«Konferenz der Vögel»
Das Gedicht «Konferenz der Vögel» des persischen Sufimeisters Farid du-Din Attar aus dem 12. Jahrhundert gab den Impuls zu weissen Feder, leicht und doch gewichtig. Wiedehopf und Simurgh treten in einen Dialog. Es geht nicht an, einfach nur auf Hoffnung hin zu vertrösten, sondern wie im Gedicht, ist es an den Zuhörenden im Austausch und gemeinsamen Weiterdenken, der Liebe zwischen den Menschen den Raum zu geben, den es für ein gelingendes Leben und eine Zukunft für die Menschheit und die Welt so dringend braucht. Leicht federnd, doch hartnäckig.
Danke!
Christine Rupp Senften, die bei Ella de Groot ihre ersten Schritte in Richtung Pfarramt als Praktikantin getan hat und nun als Pfarrerin in Muri-Gümligen in die Fussstapfen von Ella treten wird, bedankte sich im Namen des Teams. Katrin Hubschmid goss die Wertschätzung für Ellas Arbeit im Namen des Kirchgemeinderats in Worte. Ella de Groot wiederum bedankte sich bei Gemeinde und Kolleg*innen, indem sie allen eine symbolische weisse Feder mit auf den Weg gegeben hat. «Möge die Feder euch alle daran erinnern, dass wir eine gemeinsame Aufgabe haben.» Eine Standing Ovation der Gemeinde rührte alle zu Tränen.

www.rkmg.ch/edg-abschied
Predigt zum Nachhören, Texte und Erinnerungen zum Weiterlesen.

Bild und Text: Christoph Knoch