2020: Abendmahl - virtuell?
2021: «AbendmahlDaheim»

Abendmahl (Foto: Christoph Knoch)
«Abendmahlsfeiern finden keine statt.» So lautet die Anweisung. Für uns Reformierte mag das noch verschmerzbar sein. Viele haben Fragen und oft Mühe mit dieser Form des Feierns und der «cummunio» im gemeinsamen (liturgisch-ritualisierten) Essen.
Palmsonntag - Gründonnerstag - Karfreitag - Ostern
Abendmahl, das Teilen von Brot und Becher, die liturgischen Texte, gehör(t)en dazu.
Was aber, wenn wir zur Vermeidung von Übertragungen des Corona-Virus nicht mehr gemeinsam essen sollen?

KEIN Abendmahl am Karfreitag:
Erinnern und Vergegenwärtigen in Musik und Wort.





Karfreitag, 2. April 2021: Gottesdienst in der Kirche Gümligen - mit Erinnerung und Vergegenwärtigung von Abendmahl und Passion, jedoch mit «KommunionDaheim».

Virtueller Gottesdienst, 10. April 2020, 10 Uhr, aus der Kirche Gümligen.
Christoph Knoch. Musik: Ensemble «Sotto voce».


www.rkmg.ch/corona
«Corona» (oder wie es jetzt oft genannt wird CoVid-19) bringt die ganze Welt durcheinander und viele Menschen an den Rand des Todes. Seit dem 13. März wirkt jeder Tag wie «Karfreitag». Und an Karfreitag werden wohl gar keine öffentlichen Gottesdienste mehr gefeiert.

Erinnerungen. In der Kirche Muri werden seit 1595 zwei silberne Becher aufbewahrt. Damals wurden sie vom Ehepaar Anna Wingarten und Ludwig von Mülinen der Kirche Muri gestiftet. Dank dieser Becher und der Inschrift werden wir an sie erinnert. Zur Feier des Abendmahls gehörte seit der Reformation 1529, dass auch die Gemeinde aus dem Becher trinken durfte – und nicht nur der Priester. Ein radikaler Bruch mit der kirchlichen Tradition des Mittelalters. Die beiden Becher seien aussergewöhnlich, da sie typisch für die Renaissance sind und sich nicht mehr an der traditionellen Kelchform orientieren.

Erinnerung. Karfreitag 2020 wird anders sein als sonst. Brot und Becher werden wir nicht teilen. Wenigstens nicht in unseren Kirchen und Gemeinden. Doch all das, wofür «Karfreitag» steht, die Einsamkeit, die Gottverlassenheit, das Leiden, das Morden, der Tod, bleibt. Indem wir die Texte lesen, die Lieder singen, die Bilder betrachten, wird der Tag vielleicht noch stärker gegenwärtig als in anderen Jahren.

Pessach: den Auszug erinnern und gegenwärtig machen. Am 8. April feiern Jüdinnen und Juden Pessach. Sie erinnern sich mit bitteren Kräutern, Meerrettich, einem gekochten Knochen und Mazzen, dem ungesäuerten Brot, an das Elend der Sklaverei in Ägypten. Seit der Tempel 70 nC. von den Römern zerstört wurde, gibt es kein Pessachopfer. Im Lesen und Erzählen geht es darum «sich vorzustellen, als sei er selbst aus Ägypten gezogen». Heute, hier und jetzt! Alle Jahre wieder.

Erzählen von Brot und Becher, von Freiheit und Zukunft. Wenn nun in diesem Jahr die «Elemente» nicht geteilt werden können, so könnten wir bei Rabban Jochanan ben Sakai (ca. 30 bis 90 nC) lernen, Traditionen weiterzuentwickeln. Er hat das pharisäisch-rabbinische Judentum «gerettet», indem er Tempel­opfer ersetzte durch den Bericht über das Opfern und das Gebet. Lesen, erzählen, erinnern lässt sich überall. Während Martin Luther an der Vorstellung von der Wandlung der Elemente beim Abendmahl festgehalten hat, hat Zwingli zwar Brot und Becher ebenfalls im «Nachtmahl Christi» verwendet. Das deutende Wort, die erzählte Geschichte waren ihm aber wichtiger, um das «Damals» mit dem «Heute» in Verbindung zu bringen.

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Mehr finden Sie in jeder Bibel:
Pessach: 2. Mose 12, 1-51 | 5. Mose 6, 20-25
Abendmahl: Matthäus 26, 17-29 | Markus 14, 12-26 | Lukas 22, 14-20 | 1 Kor 11,23-26