Ausflug Tannental 2019

Ausflug Tannental 8<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>497</div><div class='bid' style='display:none;'>9490</div><div class='usr' style='display:none;'>144</div>
Eigentlich wollte ich nicht auf den Ausflug mitkommen. Bei uns zu Hause ist Krieg, es gibt für mich keinen Grund, hier das Leben zu feiern...
sagte ein Kurde aus Syrien zu mir, als wir ums Feuer standen und neben dem Gespräch versuchten, dem Rauch, der uns in die Augen stieg, auszuweichen. Nicht nur der Rauch, auch die soeben gehörte Geschichte, trieben mir Tränen in die Augen. Mit ruhiger und sachlicher Stimme, als spreche er übers Wetter, erzählte mir der Mann von der Situation in seiner Heimat. Jeden Tag hat er Angst, ein Telefon zu bekommen mit schlechten Nachrichten von seinen Verwandten und Bekannten, welche wieder einmal um ihr Leben fürchten müssen. Auch wenn seine Stimme und der Inhalt seiner Erzählungen sachlich sind, sehe ich die große Traurigkeit in seinen Augen. Seine Frau hätte ihn überzeugt, den Kindern zuliebe mitzukommen. Sie können auch nichts dafür, dass Krieg herrscht in ihrer Heimat.
Es waren auch die Kinder, die uns (Belinda Saner, Sebastian Stalder, Raphael Reift und Silvia Tapis) herzlich und etwas übermütig am Samstagmorgen im Tannental in Empfang nahmen, um gemeinsam in den Ausflug zu starten. Um die 40 Personen, Familien aus Syrien, Afghanistan, Äthiopien, Pakistan und Eritrea, stiegen fröhlich und voller Vorfreude in den Car, um sich möglichst schnell einen Fensterplatz zu ergattern. Die kurze Znünipause in Aeschiried wurde mit Ahhhs und Oohhs und vielen Fotos von der tollen Aussicht gefüllt.
Weiter ging es mit dem Car ins Suldtal. „Ich habe die ganze Zeit gebetet, dass wir heil am Ziel ankommen“, sagte eine Syrerin zu mir, als wir nach der Fahrt über eine sehr schmale Strasse ganz hinten im Suldtal ankamen. Ich habe mich bei der noch etwas bleichen Frau dafür bedankt, und fragte, ob sie auf der Rückreise wieder für uns beten würde.
Im Suldtal angekommen wurde der Wasserfall besucht, ein Feuer gemacht, gemeinsam gegessen, eine kleine Wanderung (welche mit unzähligen Fotostopps etwas langsam voranging) unternommen.
Das Mittagessen gestaltete sich - wie immer bei diesen Ausflügen - kulinarisch sehr vielfältig, zudem wurde alles, was an Essen da war mit jedem geteilt. „Das nenne ich ein richtiges Abendmahl“, meinte Sebastian Stalder zu mir.
Am Nachmittag kam ein Vater auf mich zu „Silvia, weisst du, was Gile heisst?“ Erst verstand ich nicht. „Gile?“ „Ja ein Mann ruft meinen Söhnen immer Gile, Gile...?“ So kam es, dass die Bündnerin erklärte, dass „Giele“ Männer oder in diesem Fall eben Jungs heisst.
Auch in diesem Jahr wurden auf dem jährlichen Ausflug mit den Familien der Asylunterkunft „Tannental“ Essen, Geschichten, Berndeutschkentnisse und Lebensfreude, aber auch Trauer, geteilt. „Und wo gehen wir nächstes Jahr hin?“ fragte ein Mädchen beim Adesagen und schaute mich mit „gwundrigen“ Augen an.
Ausflug Tannental 2019
23.10.2019
4 Bilder
Fotografin