Flüchtlingssonntag, 16. Juni 2019:
«Respekt. – Und nur Respekt.»

19-06 Flüchtlingssonntag<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>731</div><div class='bid' style='display:none;'>9009</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
Gerne habe ich die Welt um mich so, wie ich mich wohl fühle. Nicht zu nass, nicht zu heiss, das Bähnli immer pünktlich. Doch wenn ich einmal knapp zur Station komme, sollen mir die Türen ja nicht vor der Nase verriegelt werden. Ich ärgere mich, wenn bei einer Verengung von zwei auf eine Spur die lieben Mitmenschen das Reissverschluss-Verfahren nicht beachten oder schamlos frech ausnützen und ständig links bis zur Absperrung nach vorne rasen.
Respekt?
In Zeiten der «Ich-AG», einem Begriff, der in Deutschland geprägt wurde und das Ziel hatte, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren (oder eher die Zahl der Arbeitslosen zu verschleiern), ist es gang und gäbe, Respekt zur hinderlichen Tugend zu erklären. Das bedauere ich. In vielen Traditionen gehört es dazu, bestimmte Formen des Respekts zu pflegen.
Nicht alle verstehe ich:
• Warum soll der Grossvater im Zentrum der Familie stehen und die Grossmutter wird nicht einmal erwähnt?
• Warum wird dem (orthodoxen) Priester durch den Kuss des Rings an der Hand Respekt erwiesen?
• Warum wird mit dem Schwingen der Vereinsfahne über dem Sarg oder der Urne dem oder der Verstorbenen Respekt gezeigt?

Respekt!
Es beeindruckt mich, wenn Schülerinnen und Schüler ganz selbstverständlich während ihrer Praktikumswoche im Altersheim Menschen begleiten und sich ihnen zuwenden. Wie viele engagieren sich freiwillig (jung oder alt) in Vereinen, bei der Nachbarschaftshilfe, bei der Integration von Geflüchteten. Das Café-Culturel in Gümligen war ein grosser Erfolg. Eine Spätfolge dieses Projekts ist der Film «Fatherland», den Mortaza Shahed über Ruedi Rytz gedreht hat. Ich freue mich auf die Premiere nächste Woche im Gemeindesaal in Gümligen – dort, wo viele einander beim Café-Culturel mit Freude und Respekt begegnet sind.

Respekt. – Und nur Respekt.
Mir ist der Begriff «Toleranz» verdächtig geworden. Tolerant bin ich – bis zu ganz bestimmten Grenzen, die ich bestimme. Ich gestatte, der oder dem anderen, dies und das zu tun. Meist von oben herab. Denn ich weiss genau, was sich gehört … Viel spannender (und spannungsvoller) ist es, wenn wir einander mit Respekt, mit Achtung begegnen. Mein Gegenüber interessiert mich, ich möchte wissen, was für sie, was für ihn im Leben wichtig ist. Wie zeigt er oder sie Respekt anderen gegenüber?

«Respect»: Ein Projekt und eine Ausstellung.
Am nächsten Sonntagabend (18 Uhr) werden beim «FeierAbend» in der Kirche Gümligen Menschen verschiedener Traditionen zusammen musizieren, diskutieren, einander zuhören. Mit einer Ausstellung und einem vielfältigen Apéro wird aus dem «Flüchtlingssonntag» ein «Begegnungssonntag».
Christoph Knoch

Eröffnung der Ausstellung im Rahmen des FeierAbend am Flüchtlingssonntag, der so zum Begegnungssonntag wird.

www.rkmg.ch/ausstellung