10. Nacht der Religionen am 11. November 2017 «Zeit für Frieden»

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Weit über 2000 waren in der 10. Nacht der Religionen am 11. November 2017 bei regnerischem Wetter unterwegs in Bern. Vom Rathaus (Eröffnung) bis zur Heiliggeistkirche (Schlussfeier) ist der Weg kurz. 10 Veranstaltungsorte lagen dazwischen - manche weit verstreut.
Ein (kleiner) Rückblick in Bildern auf grossartige Begegnungen

Das Fazit der Veranstalter
Weitere Bilder

«Alles friedlich» Ankündigung in der Berner Kulturagenda
Übersicht
Details zum Programm

Medien
Religion sät oft Streit, schafft aber auch Frieden. Der Bund - Online
Regula Mader, Präsidentin Verein Haus der Religionen-Dialog der Kulturen (BZ 11.11.17)




Am 24. Oktober wurden zwei Programmpunkte vorgestellt
Monotheismus trifft auf Polytheismus - Ein jüdisch-hinduistisches Gespräch mit Sasikumar Tharmalingam und Henri Mugier. Und: Wie finden Äthiopische Migrant_innen und Gehörlose eine gemeinsame Sprache?

Monotheismus trifft auf Polytheismus - Ein jüdisch-hinduistisches Gespräch mit Sasikumar Tharmalingam und Henri Mugier
Frieden ist ein grosses Thema. Doch wie stehen Vertreter unterschiedlicher Religionen auch persönlich zu diesem Thema? Mit Sasikumar Tharmalingam und Henri Mugier sitzen sich ein Hindupriester und ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde Bern gegenüber. Monotheismus trifft auf Polytheismus. Auf den ersten Blick eine Begegnung der Unterschiede.
Die Göttervielfalt im Hindutempel sticht dem Besucher sofort ins Auge. Der Jude Henri Mugier hatte durch die regelmässig im Haus der Religionen stattfindende Veranstaltung ‚Reflexe am Mittag’ die Möglichkeit, vielfältige Einblicke in den Hinduismus zu bekommen. Er stellt fest, dass die oft betonten Unterschiede zwischen „Monotheismus“ und „Polytheismus“ teils nur oberflächlich sind. In der Tiefe bietet sich von ihm aus gesehen ein anderes Bild: im Judentum gibt es zwar nur einen Gott, dessen Name aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen wird. Je nach Qualität werden jedoch sieben unterschiedliche Hauptnamen gebraucht. Bei näherer Betrachtung kommt gemäss Mugier das Tetragram JHWH jedoch eher einer Art „Überbegriff’ gleich, den man nicht definieren kann und der verschiedene Emanationen, männliche wie weibliche, kennt.
Der Hindupriester Sasikumar Tharmalingam sieht an dieser Stelle eine Ähnlichkeiten zum Hinduismus: Im Hinduismus sei Gott eine Energiequelle mit weiblicher und männlicher Polarität
ist: ‚Er ist nicht er, sie ist nicht sie, es ist nicht es, aber es ist alles.’ Diese göttliche Urquelle gleicht einem Ozean, Gott ist überall. Und alles, was passiert, geschieht durch den Willen Gottes. Gemäss Henri Mugier besteht im Judentum eine Pflicht zur Auflehnung gegen Unrecht, eine Verpflichtung, Unrecht anzusprechen. Die Grundlage dabei ist jedoch: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, das Gebot der Nächstenliebe. Alle Gebote der Thora zielen für Mugier auf den Frieden zwischen Menschen ab. Auch hat das hebräische Wort für „Friede“ – „Schalom“– eine ganzheitliche Bedeutung. So bedeutet die Frage: „Wie geht es dir?“, die Frage nach: „Wie ist dein Friede?“
Frieden ist somit mehr als nur die Abwesenheit von Krieg.
Verständigung geht häufig durch den Magen und so kommt das Gespräch auch auf das Essen. Im Hinduismus kennt man ähnlich strenge Regeln bei der Vorbereitung von Opfergaben wie in der koscheren jüdischen Küche: Der Mund wird mit einem Tuch verschlossen, Koch und Herd müssen rein sein. Auch dürfen die Speisen während des Kochens nicht probiert werden: ‚Aber es kommt meistens gut’, versichert der Hindupriester mit einem Lachen.

An der Nacht der Religionen 2017 gibt es die Möglichkeit, diese jüdisch-hinduistische Begegnung zu vertiefen:
Jüdische Gemeinde Bern, Hindutempel-Verein Saivanerikoodam
11. November 2017, 20.00 Uhr «Viele Namen für einen Gott» und «der Einzige» – Krieg um den wahren Glauben oder Versöhnung durch neue Spiritualität? (Synagoge, Kapellenstrasse 2, 3011 Bern, Identitätskarte mitbringen)

21.30 Uhr Lieder und Geschichten vom Frieden aus jüdischer und hinduistischer Tradition zum Hören und Erleben. (Hindutempel, Haus der Religionen, Europaplatz, 3018 Bern)



Ein christlich-interkonfessionelles Gespräch zwischen Zufan Jemberu und Manguday Getaneh von der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo Kirche und Cornelia Knuchel von der Hörbehindertengemeinde Bern

Wenn beide Gesprächspartner sich nicht in ihrer Muttersprache verständigen, ist ein erstes Kennenlernen, ein „Ins-Gespräch-Kommen“ eine Herausforderung. Überraschend schnell finden jedoch Zufan Jemberu sowie Manguday Getaneh von der äthiopischorthodoxen Gemeinde und Cornelia Knuchel von der Hörbehindertengemeinde eine gemeinsame Basis: Frieden bedeutet, dass Menschen einander ohne Vorurteile respektieren, Probleme ansprechen und diese gemeinsam lösen. Und Vorurteile haben beide Seiten bereits erlebt. So beispielsweise, dass
Hörbehinderte von ihren Mitmenschen häufig als „dumm“ behandelt werden. Mangelnde
Aufklärung ist hier oft Ursache solcher Vorurteile. Als Mitglied der christlichen Gemeinschaft, die im Haus der Religionen einen festen Platz gefunden hat, war Manguday Getaneh bisher nicht mit Vorurteilen konfrontiert. Im persönlichen Umfeld kam dies jedoch schon vor.
Die Basis des friedlichen Zusammenlebens sind für beide Seiten Respekt, Vergebung und Gerechtigkeit. Für die Äthiopier spielt dabei die liebevolle Erziehung der Kinder eine wichtige Rolle: Fehler zuzugeben, um Vergebung zu bitten und Verletzungen nicht mit Gewalt lösen sind die Grundlage einer Erziehung zum Frieden.
Cornelia Knuchel bezeichnet politische und ökonomische Machtgefälle und Ausbeutung als Hauptursachen für Kriege. Zufan Jemberu sowie Manguday Getaneh betonten, dass es in Äthiopien aktuell keinen Frieden gibt und täglich Menschen umgebracht werden. Kann Religion da helfen? Für Zufan Jemberu und Manguday Getaneh hilft die Religion im persönlichen Umgang mit erlebtem Unrecht und könnte zur Lösung für Konflikte beitragen. Die heutige Vermischung von Kirche und Politik sei jedoch sehr problematisch, da Religionen so häufig missbraucht werden, auch von Kriegstreibenden.
Nur durch ein aufmerksames Miteinander, durch Liebe, Toleranz und Respekt könne dem entgegengewirkt werden.

Zum Schluss des Gesprächs lehrt Cornelia Knuchel ihren äthiopischen Gesprächspartner*innen die Gebärde für Frieden: zwei sich umgreifende Hände.

Mehr zum «Frieden» zeichnen die beiden Gemeinschaften an der Nacht der Religionen 2017:
Äthiopisch-orthodoxe Tewahedo Kirche und Hörbehinderten Gemeinde Bern
20.00 und 21.30 Uhr Ein Programm mit Friedensbildern aus Äthiopien und der Schweiz, äthiopischorthodoxer Trommelmusik und Gebärdenlieder (Ev.-luth. Gemeinde, Postgasse 62, 3011 Bern)


Autor: Christoph Knoch     Bereitgestellt: 14.11.2017     Besuche: 3 heute, 95 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch