Christen im Irak: «Helft uns, hier zu bleiben»

Christen im Irak (Foto: Christian Schenk) <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Christoph&nbsp;Knoch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>9</div><div class='bid' style='display:none;'>134</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>
Christen im Irak (Foto: Christian Schenk) (Foto: Christoph Knoch)
Christian Schenk, Historiker und Redaktor, war im letzten Jahr im Nordirak und hat diverse Gemeinden und Projekte besucht.
«Hungersnot am Horn von Afrika», so die Schlagzeilen. Die Glückskette sammelt und motiviert, etwas für jene zu tun, die unter Krieg und Misswirtschaft leiden. Das ist der OeME-Kommission der Kirchgemeinde sehr wohl bewusst. Trotzdem bittet sie im September um Spenden für Menschen im Norden des Irak. Kurden und Christen haben sich aus Bagdad und den südlichen Gebieten des Irak dorthin geflüchtet und bauen an einem neuen Leben und einer neuen Heimat. Die Sammlung soll ihnen dabei helfen und zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Christen soll eine Zukunft in der Heimat ermöglicht werden, indem Bildungsprojekte unterstützt werden, die der ganzen irakischen Bevölkerung zu Gute kommen. Am Montag, 12. September 2011, 19.30 Uhr, hat Christian Schenk, Historiker und Redaktor, im Kirchgemeindehaus Muri von den Projekten berichtet und mit der Kommission für Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit der Kirchgemeinde Muri-Gümligen darüber diskutiert, warum ein Engagement von hier aus nötig und sinnvoll ist.

«Wir wollen nicht protegiert werden. Wir wollen von der Verfassung her geschützt sein und Teil der Lösung für die Probleme des Iraks sein», sagt Yonadam Kanna, ein christliches Mitglied des irakischen Parlaments in Bagdad. Die Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen im Land bitten einhellig um Hilfe, die dazu beiträgt, dass die Christen in ihrer Heimat bleiben können. Was die im Land verbliebenen Christen am dringendsten brauchen, ist Sicherheit und Rechtsgleichheit. Das ist ihnen derzeit nur im kurdisch kontrollierten Norden des Landes garantiert. Sie brauchen ausserdem – wie alle Menschen im Irak – die Aussicht auf wirtschaftliche Entwicklung. Und sie brauchen Solidarität und Unterstützung, wenn es darum geht, ihren Glauben, ihre Sprache und ihre jahrhundertealte kirchliche Tradition lebendig zu erhalten.
Flüchtlingshilfe und Bildung
Im Vordergrund des Engagements im Irak steht die Hilfe für Binnenflüchtlinge im Norden des Landes und die Stärkung christlichen Lebens in Irak. Seit 2008 läuft ein Nothilfeprogramm, um Vertriebenen mit Nahrungsmitteln und Haushaltsbedarfsgütern Hilfe zu leisten. Kinder von bedürftigen Familien, die die Schule besuchen, werden mit Schulmaterialien versorgt. Mobile Kliniken bieten Gesundheitsgrundversorgung und Medizin in den Dörfern. Materielle Unterstützung erfahren auch Bauernfamilien im Bereich der Viehhaltung, beim Bau von Bewässerungskanälen, Gewächshäusern sowie mit Traktoren und Saatgut. Die Hilfswerke vor Ort unterstützen ausserdem den Aufbau von Handwerksbetrieben und fördern die Schulung junger Frauen und Männer im Computerbereich und in Fremdsprachen. In Bagdad zählen christliche Schulen und Spitäler zur ersten Adresse. Bis zu siebzig Prozent der Schüler (und Schülerinnen) in den christlichen Schulen sind Muslime. Unterstützung im Bildungsbereich hat so eine gesellschaftlich integrierende Kraft.
Solidarität seit 20 Jahren
Die evangelisch-lutherischen Landeskirchen von Bayern und Württemberg leisten diese Solidarität seit langem. Seit bald zwanzig Jahren arbeiten sie erfolgreich mit Vertretern der irakischen Christen der verschiedenen Konfessionen und ansässigen Hilfswerken zusammen. Diesem Engagement hat sich die Zürcher Landeskirche angeschlossen. Die Zürcher Bettagskollekte 2010 erbrachte rekordhohe 290 000. Franken. Die Partner vor Ort sind hauptsächlich zwei irakische Organisationen: Christian Aid Program Nohadra Irak (CAPNI) und die Assyrian Aid Society, beide ansässig in Dohuk.
Sondersammlung der Kirchgemeinde Muri-Gümligen
Die OeME-Kommission Muri-Gümligen möchte mit der «Sondersammlung 2011» das Projekt des Kindergartens in Tel Kaif in der Nähe von Ninive unterstützen. Kindern eine Basis geben, heisst Vertrauen und Hoffnung für ein ganzes Leben legen. Ziel ist, dass die Familien dort längerfristig eine neue Heimat finden und nicht mehr weiter ziehen müssen. Die Unterstützung läuft über die bewährten Kanäle von «Christian Aid Program Nohadra Irak (CAPNI)», über die die Hilfe der Zürcher Kirche und jener aus Bayern und Württemberg seit Jahren zuverlässig vor Ort ankommt. Der Einzahlungsschein lag dem «reformiert.» vom September bei. Spenden bitte auf das Postkonto 30-691721-2, «Sondersammlung», Kirchgemeinde Muri-Gümligen, 3074 Muri. Die OeME-Kommission dankt für alle Spenden zugunsten des Projekts im Irak.

Dieser Artikel basiert auf Texten von Christian Schenk, die in «notabene», der Mitarbeiterzeitschrift der Zürcher Kirche erschienen sind. Mehr findet sich im «reformiert.» vom September und unter www.rkmg.ch.
ck

PS: Die Sammlung hat etwas über 5'000.- Franken ergeben.
Vielen Dank allen Spenderinnen und Spendern.

Robert Bodmer, Präsident der OeME-Kommission bis Ende 2011

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