«Farbe bekennen». Ein vielfarbiger Sonntag in Gümligen

Flüchtlingssonntag  (Foto: Noëmi Knoch)
Flüchtlingssonntag (Foto: Noëmi Knoch)
Ein ungewöhnlich langer Gottesdienst mit einem Beitrag über die Arbeit mit Kriegstraumatisierten in Sri Lanka, ein volles Kirchgemeindehaus, afrikanische Trommeln und ein Fastenbrechen mit Gebet und Gedanken aus der jüdischen, christlichen und muslimischen Tradition erfüllten Kirche und Kirchgemeindehaus von morgens acht bis Mitternacht. Überschattet war das Wochenende zum Flüchtlingssonntag von einem überraschenden Tod einer seit Jahren engagierten Freiwilligen.
Kurz nach acht Uhr am Sonntagmorgen trafen die ersten Sängerinnen und Sänger des «Chors der Nationen» in Gümligen ein. Unter der Leitung von Bernhard Furchner und instrumentaler Unterstützung von Kontrabass, Geige, Klavier und Bongos begeisterten die Sängerinnen und Sänger in unterschiedlichen Trachten aus der Schweiz und über zehn verschiedenen Ländern. Zu Beginn des Gottesdienstes hat Christoph Knoch an Margrit Uebelhart erinnert, die am Freitagabend ganz plötzlich verstorben ist. Sie war seit Jahren in der OeME-Kommission der Kirchgemeinde und in vielen anderen Bereichen als Freiwillige engagiert.

«Farbe bekennen»
In seiner Predigt ist Pfarrer Knoch vom Motto «Farbe bekennen» ausgegangen und hat ausgehend von biblischen Texten aufgezeigt, wie zentral der Auftrag ist, Witwen, Waisen, Fremden mit Respekt zu begegnen: «denkt daran, auch ihr seid Fremde in Ägypten gewesen» (3. Mose 19, 33+34). Es sei für alle nicht einfach, diese Aufforderung wirklich umzusetzen, gerade deshalb werde sie in der Bibel immer wieder neu formuliert. «Alle Menschen sind Gottes Geschöpfe und wer ins Gesicht eines Menschen blickt, der sieht Gott», waren sich der Pfarrer aus Gümligen und der aus Syrien vor zwei Jahren nach Zürich geflüchtete Imam einig. Beim Fastenbrechen am Abend des Flüchtlingssonntags hatte Imam Kasser al Asaad die Auslegung übernommen. Dass der Einsatz für die Mitmenschen in allen drei monotheistischen Weltreligionen zentrale Pflicht aller ist, wurde durch den Beitrag von Dr. Thaya Thiagarajah aus Sri Lanka im Morgengottesdienst ebenso deutlich wie am Abend in den Erläuterungen von Denise Alvarez-Braunschweig (jüdische Gemeinde Bern) und Abd el Aziz, der die muslimische Tradition eingebracht hat.

Trommelworkshop
Am Sonntagnachmittag hat die Freiwilligenorganisation «Bern hilft» Asylsuchende aus der Notunterkunft Siloah zu einem Trommelworkshop in die Kirche Gümligen eingeladen. Die Begeisterung war schliesslich so gross, dass das ganze «Dörfli» von Trommelklängen erfüllt war.

Fastenbrechen
21.26 Uhr wurde der Tag zur Nacht und damit der Moment des Fastenbrechens für die Muslime. Drei Datteln, ein Glas Milch und ein kurzes Gebet stehen am Übergang zum nächtlichen Mahl. Zum Iftar, dem Fastenbrechen, das zu jedem Abend des Ramadan gehört, werden Gäste eingeladen. Vom Projekt «Respect - Juden- und Muslimfeindschaft gemeinsam überwinden» (www.ncbi.ch/respect) wurde mehrfach zu einem interreligiösen Feiern der Feste eingeladen. Ziel ist, einander besser kennenzulernen und so besser zu verstehen.

Predigt und Liturgie, Gottesdienstblatt

Gottesdienst zum Hören
Pfeil (unten) EINMAL anklicken.
Teil 1 (bis zu den Fürbitten)
Teil 2 (Bericht Palmyrah)
Teil 1 (2. Auftritt des Chores bis zum Schluss)

Mehr unter www.rkmg.ch/oeme.

Mahdi al-Tashly spielt Oud (Fastenbrechen am 19. Juni 2016, Kirchgemeindehaus Gümligen)