Kunst-volles Wochenende in Gümligen: Vom Klang zum Fenster

Die zweite Auflage der Gümliger «Klangfenster» brachte am Freitagabend Orgel und Orchester zusammen und bot am Samstag eine dreistündige Orgelnacht mit ein, zwei und drei Orgeln in der Kirche Gümligen. Am Sonntag wurde in der Kirche eine Ausstellung mit Werken des Muripreisträgers 2011 Konrad Vetter eröffnet (bis 12. Juni 2011).
Unter der Federführung der neuen Präsidentin der Musikkommission, Claudia Hofer, wurde von den in Muri und Gümligen aktiven Organistinnen und Organisten ein äusserst vielfältiges und attraktives Programm zusammengestellt. Trotz starker Konkurrenz durch das Kirchenmusikfest «cantars» in Bern waren alle Konzerte gut besucht. Ein Orchester der Musikschule Muri-Gümligen aus Unterrichtenden und Unterrichteten verzauberte am Freitagabend in einer vom Abendlicht in farbiges Licht getauchten Kirche die Besucherinnen und Besucher. Rückmeldungen von Schülerinnen und Schüler aus dem Aebnit zeigen, dass solche Projekte (Klang-)Fenster öffnen können: «Ich wusste gar nicht, dass die Orgel soviele Töne machen kann.Dass die Orgel so laut sein kann, dass der Boden vibriert.» «Es war so schön, wenn Orgel und Streichorchester zusammen spielten.» Auf einem anderen Blatt war zu lesen: «Die Stücke von Jean Langlais haben mir nicht so gefallen.» oder: «Das Konzert hat mir gefallen, aber die Stücke waren nicht genau mein Musikstil.» Ein grosses Lob (und das gilt ausnahmslos für alle Konzertteile): «Sie haben beim Spielen keine Fehler gemacht und sie haben Dur und moll gut eingeteilt.» Vermisst wurde jedoch, dass niemand gesungen hat. «Manchmal war ein Stück schön ruhig und mit hohen Tönen und dann kam ganz plötzlich ein lauter, tiefer Ton. Da ist man ein bisschen erschrocken. Aber sonst hatte ich nichts auszusetzen.» Am Samstag spannte sich der Bogen von den ruhigen Stücken für zwei Orgelpositive (Jacqueline Demme und Helen Papritz) über die Werke für vier Hände und vier Füsse (Erica Zimmermann und Christine Heggendorn) bis hin zu nahezu experimenteller Musik mit der Komposition von Hans-Eugen Frischknecht für drei Orgeln. Heinz Balli, Christine Heggendorn und Hans-Eugen Frischknecht verstanden es, den Raum und die Klangfarben der drei ganz unterschiedlichen Orgeln (die grosse Wälti-Orgel von 2003 der Kirche, die Truhenorgel und das Orgelpositiv aus der Werkstatt von Thomas Wälti, Gümligen) miteinander in Beziehung zu setzen. Getrübt wurde das Klangvergnügen einzig durch die ins Schwingen und Klingen geratenen Scheinwerfer der Kirche oberhalb der Orgelempore.

Ein Fenster zum Himmel
Am Sonntag wurde die Ausstellung mit Werken von Konrad Vetter, dem heute (Donnerstag) in der Villa Mettlen der Muripreis 2011 verliehen wird, mit einer Würdigung von Amir Gharatchedaghi eröffnet. Der Schüler und langjährige Freund des 91jährigen Künstlers hat betont wie wichtig Vetters Umstieg vom zwei zum dreidimensionalen Schaffen mit Glas war und bis heute ist. Die «grosse» Jakobsleiter verbindet Erde und Himmel im Musée du Vitrail in Romont, während in Gümligen nun die goldglänzende, kleine Variante zu sehen ist. Daneben sind ornamentale Werke zu persischen und biblischen Weisheitstexten aus der langen Schaffenszeit des Künstlers zu sehen. Benedikt Vetter, Sohn des Preisträgers und selber ausgebildeter Glasmaler, Musiker und Grafiker, hat die Vernissage musikalisch in einen Rahmen gefasst, der gleichzeitig den himmlischen Sphären Raum gegeben hat. Die Ausstellung ist in der Kirche Gümligen bis Pfingstsonntag, 12. Juni, zugänglich. Sie hat ihren Abschluss mit dem von Christoph Knoch und Benedikt Vetter gestalteten Gottesdienst zur Jakobsleiter und dem Gümliger Pfingstfenster aus Konrad Vetters Werkstatt gefunden.
ck