«DANKE!»: Kirchgemeinde lädt zum «Fest der Engagierten»

Am Samstag, 15. August, hat die Kirchgemeinde Muri-Gümligen zum ersten Mal die freiwillig Mitarbeitenden gemeinsam mit den Mitgliedern von Kirchgemeinderat und Team zu einem «Fest der Engagierten» eingeladen. Gegen 60 Personen trafen sich im neuen «Haus der Religionen» am Europaplatz zu einer Führung und zum ayurvedischen Znacht.
Auf den Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2014 wurde das Haus für den Dialog der Religionen und Kulturen am Europaplatz eingeweiht. Tausende wollten damals mit dabei sein. Etliche warteten vergeblich auf Einlass. Seither reist der Strom der Besuchergruppen nicht ab. Menschen jeglicher Weltanschauung - religiös oder nicht - aus Bern, der Schweiz, ja sogar aus China haben seither die Räume der beteiligten Religionsgemeinschaften besucht. Zum grossen Jahresfest der Hindus werden in gut zehn Tagen wieder über 4000 Menschen im Tempel und zum Essen erwartet.

Haus der Religionen (Foto: Christoph Knoch)
Kein Ballenberg der Religionen
«Wir wollen kein Ballenberg der Religionen sein» betont Marco Röss, der als Buddhist seit den Anfängen des Projekts vor über zehn Jahren mit dabei ist. 1998 kam eine Studie, die im Auftrag der Stadt Bern erstellt worden war, zum Schluss, dass die grossen nicht-christlichen Religionsgemeinschaften in Bern keine angemessenen Sakralräume finden. Ab etwa dem Jahr 2000 wurde an der Idee «Haus der Religionen - Dialog der Kulturen» gearbeitet. Dank der Beharrlichkeit und unermüdlichen Schaffenskraft von Hartmut Haas, dem Pfarrer der Herrnhuter Sozietät in Bern, und einem in allen gesellschaftlichen Kreisen Berns verankerten Vorstand wurde es möglich, aus dem geistig-ideellen ein wirklich bewohn- und belebbares Haus entstehen zu lassen.
«Im Haus leben die Angehörigen der Religionsgemeinschaften ihren Glauben in regelmässigen Gottesdiensten und grossen Festen. Andererseits wurden Räume geschaffen, die den Dialog der Kulturen (und Religionen) fördern» so Marco Röss. Es sei gar nicht einfach, gelebte Religion und Spiritualität und die grosse Zahl der Besuchergruppen unter einen Hut zu bringen.

Kreuz und Orgel?
Martin Bauer, Präsident des Vereins Kirche im Haus der Religionen und Kirchgemeinderat in Muri-Gümligen, zeigte im «christlichen Raum» wie wichtig Respekt und Verständnis in diesem ökumenisch genutzten Raum sind. «Alle christlichen Kirchen sollen hier feiern dürfen. Wer ein Kreuz braucht, soll es mitbringen - und wieder mitnehmen. Wir werden keines fest im Raum installieren.» Die pentatonisch gestimmte Orgel stammt aus der Werkstatt von Thomas Wäti in Gümligen und wurde von Hans-Eugen Frischknecht aus Muri entworfen. Dass sie klingt, haben die von ihm für diesen Anlass komponierten Stücke allen deutlich gemacht.

Haus der Religionen (Foto: Christoph Knoch)

gesundes Essen - fröhlicher Tanz
Sasikumar Thamarlingam ist Priester im Ehrenamt am Hindu-Tempel und leitet als ayurvedischer Koch das Restaurant «Varanakam» im Haus. Er hat die Gruppe mit einem Ingwer-Zitronen-Limetten-Pfeffer Getränk am Eingang des grossen Hindu-Tempels begrüsst. Äusserst lebendig hat er von der Begegnung von «Shiva und SUVA» bei Bau und Innenausstattung des Tempels berichtet. «Ein hinduistischer Tempelbauer wird nie in Schuhen an den göttlichen Figuren arbeiten und ein SUVA-Kontrolleur kann nie erlauben, sich ohne Sicherheitsschuhe und Schutzhelm auf einer Baustelle zu bewegen.» Aber alles hat geklappt - ohne Unfall. Sasi und sein Team haben ein vegetarisches Essen mit ganz verschiedenen Geschmacksrichtungen serviert, dazu hat die Frau seines Priesterkollegen mit Kindern einen kleinen Einblick in die reiche Tradition des tamilisch-hinduistischen Tempeltanzes gegeben.

Haus der Religionen (Foto: Christoph Knoch)

Von Skepsis zu Begeisterung
Das Fest der Engagierten hat verschiedenste Gemeindeglieder zusammengebracht. Jene, die schon immer das Projekt begleitet haben und jene, die es skeptisch-kritisch beäugt haben.
Haus der Religionen (Foto: Christoph Knoch)
Es war ein Wagnis, diesen Ausflug so zu planen. «Die Begegnung mit den fröhlichen, offenen Mitmenschen vereint an einem Ort hat mich überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um die Migranten in unsere Gesellschaft zu integrieren» so das Fazit eines Teilnehmers. Das «kommt und seht» hat Augen, Ohren, Herzen und Gaumen geöffnet. Die Begeisterung derer, die an diesem einmaligen Projekt beteiligt sind, war spürbar und ansteckend.
Christoph Knoch


Berichte und Informationen unter www.rkmg.ch/haus-der-religionen
das aktuelle Programm www.haus-der-religionen
Haus der Religionen
17.08.2018
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